Kendo-WM: Ein Rookie unter Kendo-Göttern

Nach einem Dienstagstraining in der Stammkneipe hat Daniel mal in den Raum geworfen, dass die Kendo WM dieses Jahr in Novara stattfindet und man ja dorthin fahren könnte um sich das anzuschauen und das österreichische Team anzufeuern. Nachdem ich beim Donau Cup als Helfer auch dabei war und mir die Kämpfe da schon sehr gefallen haben, dachte ich mir: „ Hey, das kannst du dir nicht entgehen lassen!“ und da habe ich eigentlich schon beschlossen mitzufahren. Und ich muss sagen, das war eindeutig die richtige Entscheidung.

Nach der langen 10 stündigen Autofahrt am Donnerstag, hieß es am Freitag recht früh (06:30 Uhr) aufstehen, frühstücken, ab ins Auto und rüber nach Novara. Kendokas sind eindeutig Frühaufsteher 🙂
Nach der Eröffnungszeremonie (mit viel zu lauten Lautsprechern) ging es dann auch schon los mit dem Herren Einzel. Am Anfang hatte ich Probleme mich auf einzelne Kämpfe zu konzentrieren, weil gleichzeitig auf vier Shiaijos gekämpft wurde und ich dauernd das Gefühl hatte, ich würde was Wichtiges verpassen 🙂 Das legte sich aber nach den ersten Minuten schon wieder.

Vollgas!

Von Anfang an faszinierte mich die Intensität der Kämpfe. Niemand schenkte dem Gegner etwas, jeder gab Vollgas und man konnte den Siegeswillen der Kämpfer sehen. Es war einfach der Hammer.
Vor allem drei Punkte sind mir während den Wettkämpfen aufgefallen: Geschwindigkeit, Anspannung (Bedrohung) und Präzision.
Die Geschwindigkeit in der sich die Kendokas bewegten und die Schläge ausführten, ich kannte das ja nur vom Hörensagen und den Internetvideos, aber das mal Live mitzuerleben… war einfach einmalig.

Jeder Kämpfer war voll konzentriert und bereit zuzuschlagen, die Körperspannung wurde immer aufrechterhalten, sogar wenn der Kendoka am Boden lag und trotzdem oder gerade deshalb blieben sie locker in ihren Bewegungen.
Trotz der Geschwindigkeit und der Anspannung bewiesen sie eine unheimliche Präzision. Es waren wirklich wunderbare Treffer dabei, so wie sie im Lehrbuch stehen! Es ist einfach überwältigend, wenn man sieht wie der „Men“ schön mit dem Monouchi getroffen wird.

Grundtechnik? „Hey, der hat ja recht…“

Und Leute, es stimmt! Die Fußarbeit ist WICHTIG!!! Nicht umsonst machen wir mit dem Helmut immer wieder die Basic-Übungen. Es macht wirklich einen großen Unterschied ob man vom richtigen Stand aus angreift oder von der leicht versetzten Fußstellung versucht sich nach vorne zu werfen. Es geht dabei viel Energie verloren, man ist nicht so beweglich und somit ein leichteres Ziel für den Gegner und gleichzeitig selber auch nicht so gefährlich wie man sein könnte!

Die Kendo WM zeigte mir mal wieder auf, dass ich eigentlich nichts kann und noch ganz am Anfang meiner Kendolaufbahn stehe. Aber nicht in einem negativen Sinn. Ich sehe das mehr als Ansporn mich noch mehr reinzuhängen und besser zu werden. Zudem kann ich es jetzt kaum noch erwarten endlich in die Rüstung zu kommen und irgendwann mal an einem Wettkampf teilzunehmen.

Abschließend möchte ich mich noch für die Möglichkeit bedanken, dass ich das live miterleben durfte und auch noch für die großartige Organisation Danke sagen.