Kitamoto Day 5: Substanzschwund

Langsam machen sich die Strapazen des Trainings bemerkbar. Während meine einzigen Beschwerden die brennenden Fußsohlen sind (bisher zum Glück blasenlos), hat es inzwischen schon vier Teilnehmer erwischt. Jüngster Zuwachs zu den Verletzten ist Martin Kiosew aus Irland. Er verletzte sich in der letzten Trainingseinheit heute und saß nachher mit einem Eisbeutel da. Die Gerüchte schwanken zwischen Achillessehne und Muskelzerrung. Wir hofften alle auf letzteres. Leider war es doch die Achillessehne. Martin saß sehr niedergeschlagen mit eingegipstem Fuß und Krücken beim Abendessen. Eine traurige Erinnerung daran, dass wir schon den fünften Tag am Stück trainieren und unsere Körper langsam ihre Belastungsgrenzen erreichen.

Martin ist aber nicht allein. Der Lette Vladimir Kindzulis ist schon seit dem zweiten Tag wegen einer Muskelzerrung außer Gefecht, dazu kommen der Iraner Soleiman und der Mexikaner Jesus Maya. Um Vladimir tut es mir besonders leid, da er auf der Zugfahrt nach Kitmaoto zu uns gestoßen war und ein netter Kerl zu sein scheint. Er will wie ich am Freitag zum 4. Dan antreten. Ich hoffe wirklich, er ist bis dahin wieder fit.

Kakehashi-Sensei begann das Morgentraining mit einer Lektion im korrekten Seiza. Zu viele von uns würden beim Aufstehen den rechten Fuß nicht auf Höhe des linken Knies setzen, sondern zu weit nach vorne. Gerade wenn man jemandem gegenüber im Seiza sitzt, sei das nicht wünschenswert, ermahnte uns Kakehashi. Vom Trainingsinhalt her gingen wir diesmal alle neun Kihon-Katas durch. Meine Konzentration war etwas beeinträchtigt. Nicht nur, dass mich um 2 Uhr früh herum wieder ein Erdbeben geweckt hat (diesmal allerdings deutlich schwächer), war ich heute wieder um 6:00 im Dojo und trainierte mit Lavigne- und Kato-Sensei. Letzterer übte, wie am Tag davor Tanaka-Sensei, Debana-Men mit mir. Ob die sich abgesprochen haben?

Das Gefühl im Kampf mit den Senseis ist recht gut. Allerdings tu ich mir bei den Mawari-Geikos und den Shiai-Kämpfen mit den anderen Teilnehmern etwas schwerer. Ich komm mit ihnen nicht so gut zurecht. Noch dazu ist mir ständig der Montenegriner Milutan Nikitovic auf den Fersen, der auch den vierten Dan machen will und unbedingt mit mir kämpfen möchte. Wohl, um ein Gefühl für die Prüfung zu bekommen. Bisher hatten wir aber noch keine Gelegenheit dazu. Größentechnisch sind wir uns recht ähnlich. Er lehnt sich aber mehr zurück im Kampf, was vielleicht ein Vorteil für mich sein könnte. Würde ich Do gut können, wäre ich zuversichtlicher, er macht die Trefferfläche nämlich immer schön auf. Etwas Nervosität kommt langsam auf, je näher der Freitag rückt. Insgesamt wollen zehn Leute den vierten Dan.

Kurzschwert-Basis

Bevor es aber überhaupt in Rüstung ging, gab es eine Einweihung in die Welt der Kodachi-Kata durch Sato-Sensei. Leider war heute nur Zeit für Nummer eins. Besonderen Wert legte er auf die Haltung des Kodachi und das Irrimi, das Hineingehen des Shidachi in die Distanz des Uchidachi. Bei letzterem hatten viele ihre Hemmungen, weil sie reflexartig eher zurückschreckten, als das Langschwert ihnen entgegenkam.

Beim ersten Rüstungsdurchgang gab es dann wieder eine Reihe an Techniken zu üben. Debana, Suriage und Nuki standen auf dem Programm. Wieder nur sehr kurz und ohne auf die gestrigen Techniken zurückzugreifen. Schade eigentlich. Die schwierigste Technik sei aber das korrekte Kamae, erklärte Ishizuka-Sensei. Womit er wohl recht haben dürfte. Denn wenn die Basis nicht passt, passt alles andere auch nicht.

Nach dem Shinpan-Training ging es dann ans Kakari-Geiko. Zimmerweise aufgestellt, war jeweils einer immer Motodachi, während die anderen acht angriffen, bis ihnen die Puste ausging – was Motodachi einschätzen sollte. Sato-Sensei ermahnte uns nachher, dass Motodachi nicht einfach aufmachen soll, sondern, wenn etwa die Technik nicht gut ist, auch Gegentechniken setzen soll. Was aber absolut nicht gewünscht war, und das unterstrich auch Ishizuka-Sensei, ist das Anschieben des Angreifenden mit dem Shinai, wenn er in den Augen des Motodachi zu langsam ist. Als „absolutely unrespectful“ bezeichneten die Sensei es, wann man dem Angreifer aus Spaß oder warum auch immer mit dem Shinai auf den Hintern klopft. Ishizuka-Sensei erinnerte bei der Gelegenheit daran, dass das Shinai ein Schwert symbolisiert und nicht einfach nur einen Bambusstock.

Der Tag endete für mich mit insgesamt fünf Sensei-Ji-Geikos. Zwei in der Früh mit Lavigne und Kato, und die 8.-Dan-Trias Sato, Kakehashi und Ishizuka am Nachmittag. Die letzten beiden hatte ich heute zum ersten Mal, wobei ich mit letzterem deutlich mehr Spaß hatte. Es wird langsam wieder Zeit, ins Bett zu gehen. Immerhin plane ich, morgen wieder um 5:30 aufzustehen, um mich dem „Kendo Breakfast Club“ anzuschließen.

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