Kitamoto Day 4: Morning Madness

Heute früh habe ich mich tatsächlich den Verrückten angeschlossen. Als ich um fünf vor sechs das Dojo betrat, waren Lavigne-Sensei und Kato-Sensei, beide 7. Dan, bereits mitten im Gefecht. Von den anderen Teilnehmern, die gestern dabei waren, war nichts zu sehen. Nur der Brasilianer Queiroz wartete noch darauf, dass die Senseis ihr Ji-Geiko beendeten. Nachdem das der Fall war, kam ich bei Kato-Sensei dran.

Sehr freundlicher und auch technisch angenehmer Mann. Wir hatten einen schönen Kampf, in dem er mich netterweise einmal einen Treffer landen ließ. Nachher ging es ohne Pause weiter zu Lavigne, dessen Überlegenheit gerade am Morgen etwas beängstigend war. Mir gelang leider nicht wirklich irgendwas. Aber er war nachher so nett und meinte, das ist normal, da der Körper in der Früh noch nicht auf Touren sei. Ich sollte mich einfach auf gerade simple Techniken konzentrieren. „No Tricks“, wie Lavigne es ausdrückte.

Bei der anschließenden Kihon-Bokuto-Session ließ Kakehashi-Sensei wieder den Perfektionisten raushängen. Aus gutem Grund. Wir seien dafür verantwortlich, dass wir unseren Schülern korrekte Techniken beibringen, erklärte Kakehashi. Daher wurden diesmal Details der zweiten und vierten Form geübt. Etwa, wie Motodachi korrekt das Shinai führt bei Kote-Men, oder wie man den Men vor dem Hiki-Do empfängt.

In der Pause erzählt mir Stefano Verrina aus Italien, dass für die Kendo-WM in Novara allein von den Koreanern 100 Offizielle erwartet werden. Besucher aus Japan sollen sogar 1000 überschreiten. Dazu kommen sicher noch etliche Gäste aus Europa. Immerhin ist es eine Seltenheit, dass die Weltmeisterschaft dermaßen nahe ausgetragen wird. Egal ob ich im Team bin oder nicht, ich werde auf jeden Fall hinfliegen!

Nach dem wieder einmal üppigen Frühstück weihte uns Sato-Sensei in die Geheimnisse der siebten Kata ein. Etwa, dass man nie den Blickkontakt verlieren sollte. Oder dass Shidachi richtig Do mit Mono-uchi schlagen sollte (natürlich mit Abstoppen). Zwei Dinge waren neu für mich: Uchidachi geht nach dem Men nicht in Waki, sondern hebt das Shinai direkt über den Kopf in Chudan. Und Shidachi lässt die Zehen immer aufgestellt, um sprungbereit zu sein. Da habe ich auch schon andere Meinungen dazu gehört.

Viel Input in kurzer Zeit

Die Übungen in Bogu wurden leider etwas flott abgespult. Harai, Maki, Uchi-Otoshi, Hari und Tsuki andeuten Men alles innerhalb von 30 Minuten und mit sehr wenigen Wiederholungen. Ich hoffe, dass das nur ein erster Einblick in diese Techniken war und wir sie noch ein paarmal üben werden. Ishizuka-Sensei hatte eine Anmerkung zum Reiho. Es sei schlechte Etikette, wenn man das Tenugui unter dem Men sehen könne. Einen Tipp, wie man das feststellen kann, gab mir später Hayashi-Sensei. So sollte das Tenugui nur knapp unter dem Haaransatz aufliegen. Dann sollte es keinesfalls sichtbar sein.

Unser Paraderusse Alex ließ wieder ein paar Details über sein Leben verlautbaren. Wenn wir die Zeichensprache und Wortfetzen richtig interpretiert haben, hat er einen 22-jährigen Sohn, der wiederum eine 4-jährige Tochter hat. Nebenbei ist oder war er Major in der russischen Armee. Der Kendo-Opa ist übrigens gerade einmal 43 und wird am Freitag seinen fünften Dan versuchen.

Nicht nur die Bogu-Reparateure waren heute da, sondern auch eine nette Dame namens Inagaki, die uns nicht nur die korrekte Methode zum Anziehen der Hakama demonstrierte, sondern auch kostenlos Kendo-Gis reparierte und ausbesserte, wenn sie nicht ganz passten. Inagaki und Kato-Sensei demonstrierten uns dann einen simplen, aber extrem effektiven Trick, wie man die Falten in der Hakama nicht nur behält, sondern noch recht lange erhalten kann. Das Geheimnis sind Nähte, die man am Ende des Gewands hinzufügt. Das werde ich dann gleich ausprobieren, wenn ich daheim bin.

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