Kitamoto Day 3: Naturgewalten

Um 3:56 Ortszeit bebte nicht das Dojo, sondern die Erde. Spätestens jetzt waren alle wach, nicht nur die Jetlagger. Schräges Gefühl, so ein Erdbeben. Ein bisschen, als ob die Ubahn gerade unter einem durchfährt, nur dass es dann noch heftiger wurde. Passiert ist uns nichts. Angeblich lag das Epizentrum bei Fukushima mit 6,4 nach Richter. Das änderte aber alles nichts daran, dass wir um 6:30 wieder Training hatten. Kihon fünf bis neun wurden zuerst ohne Partner geübt, danach probierten wir zu zweit eins bis vier durch. Allzu glücklich schien Kakehashi-Sensei mit der Performance nicht gewesen zu sein. Er legt sehr viel Wert auf Details, wie sich immer stärker herauskristallisiert. Bei jeder Technik, wo man aus der Mitte herauskommt, sollte man dennoch immer seinen Partner im Blick halten.

Nach einem warmen Frühstück mit Suppe, Lachs und Reis ging es wieder ins Dojo. Nihon-Kendo-Kata vier bis sechs wurden von Sato-Sensei (wieder in Weiß) durchgenommen. Besonders viele Details gab er zur vierten Kata preis. Etwa, dass die Klinge beim Abwehren des Angriffs von Uchidachi zur Lunge nach hinten zeigen soll. Und, dass die linke Faust bereits hier über dem Kopf sein soll. Die Schritte werden so gesetzt, dass man den Men des Partners korrekt trifft. Auch hier gilt: Immer Augenkontakt. Bei Nummer fünf sollten wir darauf aufpassen, dass Uchidachi die Klinge maximal bis zum Kinn des Shidachi führt. Danach soll das Schwert quasi von alleine herunterfallen, was Sato-Sensei „Shini-Tachi“ nannte (totes Schwert).

Ishizuka-Sensei hatte gleich im Anschluss ein paar nette Fußübungen auf Lager. Zuerst kleine und schnelle Schritte quer durch die Halle, dann bis zur Mitte rückwärts, umdrehen und korrekt nach vorne weiter. Natürlich ging es dann in Rüstung gleich so weiter. Ganze Längen Kirikaeshi, ganze Längen Men, ganze Längen Kote-Men. Natürlich ohne Pause zwischen den Schlägen. Im Anschluss übten wir mit Partner Kote-Men und danach etwa ungewöhnliches: Kote-Sayu-Men. Das soll dabei helfen, Kirikaeshi zu verbessern. Interessanter Ansatz, den man sicher auch bei uns ausprobieren könnte.

Nach der Mittagsruhe sorgte unser Freund Alex einmal wieder für Wirbel. Das russische Pendant zu „Tagwache!“ dürfte anscheinend „RRROTA PADYOM!“ sein. Spätestens dann waren alle wieder wach für die nächste Runde. Für das nachmittägliche Shiai-Training durften wir diesmal sogar richtig kämpfen. Getrennt wurde in 3. Dan und drunter, sowie ab 4. Dan. Ich hatte leider nur einen Kampf, der allerdings ganz gut lief. Wir alle hatten natürlich einige Fragen bezüglich Shinpan-Entscheidungen, die Kakehashi-Sensei so gut es ging zu beantworten versuchte. Aus Zeitmangel wurde die Fragestunde unterbrochen, aber wir sollten uns Aufschreiben, was wir wissen wollen, um es morgen noch einmal zu fragen.

Non-Stop Uchi-Komi

Zurück in Rüstung übernahm wieder Ishizuka-Sensei das Kommando. Nach einer Präsentation seines brüchigen Englisch griff er dann doch auf die Übersetzungskünste von Hayashi-Sensei zurück. Wieder einmal ging es der Länge nach dahin. Alle Zimmer stellten sich in einer Reihe auf, und je einer durfte achtmal Men am Stück angreifen. Es wurde immer durchrotiert, weshalb man nie wirklich zur Ruhe kam. Nach den Men gab es Kote, dann Kote-Men, Do und Men-Men, also den ersten Men verfehlen und dann korrekt treffen. Anschließend suchten wir uns jeder einen Partner, um Mawari-Geiko mit gleich anschließendem Uchi-Komi zu machen. Beim ersten Pfiff begann der Kampf, beim zweiten Pfiff griff man Men an, beim dritten Pfiff dann der Partner.

Ji-Geiko war wieder schweißtreibend, wobei ich diesmal erneut Sato-Sensei und Tanaka-Sensei haben durfte. Bei beiden gelang mir jeweils etwas, das sie als Kote bezeichnet haben und großzügig lächelten. Leider ging sich kein weiterer Kampf mehr aus, dafür durfte ich Uchi-Komi mit Hayashi-Sensei machen. Ob es für ihn aber so lustig war, bezweifle ich. Er wiegt geschätzte 50 Kilo, ich fast das Doppelte. Es war aber seine Idee, Hiki-Techniken einfließen zu lassen…

Nach dem Abendessen gab es noch einen Kurs in Bogu-Reparatur. Zwei Spezialisten zeigten ihr Können und reparierten gleich einmal einen Men, mehrere Kote, zwei Do und eine Tare. Bei den komplett zerlöcherten Kote der Norwegerin Marianne Skiftesvik mussten die Reparateure aber passen. Hier hätte man das komplette Leder austauschen müssen. Von selbigem nutzen sie übrigens nur Hirsch, und da auch nur bestimmte Teile, wie etwa den Rücken, da sich der nicht dehnt. Sofern heute Nacht nicht noch einmal die Decke einstürzt, geht es morgen früh gleich weiter. Vielleicht tu ich es mir sogar an, eine halbe Stunde früher aufzustehen. Ein paar Verrückte treffen sich schon um 6:00 im Dojo, um noch Ji-Geiko zu machen, bevor das eigentliche Training startet.

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