Kitamoto Day 1: Dead Man Kendoing

Ich bin kaputt. Donnerstag 5:00 aufgestanden, dann Flug nach Tokio und dabei maximal 2 Stunden geschlafen, danach direkt vom Flughafen nach Kitamoto und das erste Training absolviert. Es ist jetzt Freitag, 20:15. Mein Körper  fühlt sich an, als ob ich im Meer schwimme. Alles schwankt ein bisschen hin und her. Blutdruck? Vielleicht. Die Luftfeuchtigkeit hier ist unglaublich. Extrem drückend das Ganze. Zum Glück hab ich mir das Sommer-Kendogewand mitgenommen.

Japan ist ein schräges Land. Es ist mein erstes Mal hier und ich scheitere in vielen Dingen an der Sprachbarriere. Mit Händen und Füßen und ein paar Wortfetzen Japanisch bin ich bisher aber immer durchgekommen. Gleich am Flughafen läuft mir Einstein über den Weg. Er kommt aus Brasilien und heißt wirklich so. Armer Kerl. Vater Japaner, Mutter Brasilianerin, er selbst 3. Dan und Trainer in der Hauptstadt Brasilia. Sein Geld verdient er als Mathematik-Lehrer. Kein einfacher Job, wie er selbst zugibt.

Wir besteigen den Zug von Narita zur Station Ueno. Allerdings erst, nachdem dieser geputzt wird und sich die Sessel automatisch wie von Geisterhand umdrehen, um wieder in die Fahrtrichtung zu blicken. Die Fahrt ist recht ereignislos. Einstein fragt mich über Kendo in Österreich aus, ich denke nur an Schlaf. Die Sitze in der Air France waren eine Katastrophe. Da hatte sich der Aufpreis auf Premium Economy nicht gelohnt, die Plätze in der Economy Class sahen bequemer aus. Immerhin gab es recht leckere Nudeln aus dem Becher zwischendurch zu essen.

Die Landschaft zieht vorbei, während wir am Stadtrand von Tokio entlangbrausen. Unzählige kleine Häuschen pflastern die Landschaft, dazwischen Gassen, in denen der durchschnittliche österreichische Jesolo-Urlauber wohl nicht mehr durchkommen würde. Dazwischen überall die Stromleitungen, die über Masten geführt werden. Es gibt kaum Kabel, die unterirdisch verlegt sind. Immer wieder zischen Menschen mit Schutzmaske herum. Schon im Flieger sind sie mir aufgefallen. Wie in schlechten Klischee-Darstellungen.

Hartes Nachtlager

Kitamoto dürfte ein Vorort im Großraum Tokio sein. Alles hier wirkt klein. Das Sportcenter, in dem wir untergebracht sind, ist es allerdings nicht. Uns erwarten Gemeinschaftsräume mit dünnen Matten auf nur mit spärlichem Teppich ausgekleidetem Betonboden. Mein Kreuz jault innerlich auf, mein Hirn sagt aber nur: „Schlafen!“ Soweit ist es aber noch nicht. Erst gibt es eine Orientierung, dann eine Eröffnungszeremonie, Kendo-Training und eine Willkommensfeier. Bei der Orientierung erfahren wir, dass jedes Zimmer mindestens einmal Klo putzen darf. Juhu! Aber vielleicht trägt das ja dazu bei, dass die Häusl nicht allzu arg verunstaltet werden. Am nächsten Tag ist man nämlich vielleicht selbst dran.

Alle erhalten ein Namensschild und zwei Bücher: Einerseits die allseits bekannten Kendo Shiai Regeln der International Kendo Federation (oder Federation International de Kendo, wie sie neuerdings genannt wird, kurz FIK). Andererseits das Werk „The Official Guide for Kendo Instruction“, herausgegeben von der All Japan Kendo Federation. Ich konnte es nur kurz durchblättern, aber da dürften einige interessante Details drinnen stecken.

Vor dem Training war ich kurz davor, umzukippen. Nachher ging es mir deutlich besser. Nicht zuletzt dank Sato-Sensei (seines Zeichens 8. Dan Hanshi), mit dem ich ein mehr als fünfminütiges, hochspannendes Ji-Geiko haben durfte. Für mehr war leider keine Zeit. Bei der Stehparty im Anschluss ans Training hab ich mich aber vorzeitig entschuldigt. Wenn sich nüchtern der Raum zu bewegen beginnt, passt was mit dem Körper nicht. Schlaf ist angesagt. Morgen geht es um 6:30 in der Früh gleich los. Zuerst sollen Grundtechniken drankommen, haben die Senseis verraten. Mal sehen, was sich noch ergibt. Wir haben ja 6 Tage jeweils dreimal Zeit, uns zu verbessern!

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