Verpuppung

Es hat sich ja schon angekündigt.

Am Dienstag vor dem DonauCup, beim Helferlein-Training, stellt sich mir Eugen in den Weg, sieht mir tief in die Augen und sagt „wüst die Rüstung ausprobieren? I hob meine do“ – ich nicke so heftig, dass ich mir fast den Nacken zerre.

 

Gesagt – getan – kaum betrete ich den Dojo, werde ich schon auf die Knie gezwungen, kriege eine Tare in die Hand gedrückt und Anweisungen entgegengeworfen, kaum ist die zurechtgezogen, wird mir ein Do umgebunden und eh ich mich versehe, hab ich ein Tenugui auf und binde mir einen Men. Flugs wurschtle ich mich in die Kote hinein und dann schiebt man mich in die hinterste Ecke des Saales, wo schon ein paar Leute mit breitem Grinsen Aufstellung genommen haben – Eugen, dem ich diese Ehre anscheinend beim Onsen versprochen habe (ich muss komplett erschöpft gewesen sein), Janin, Benni, Werner……na gut – Kamae – „Meeeeen!!“ krieg ich eins von Eugen gesemmelt  – und siehe – hat gar nicht wehgetan…. 😉 na gut – dann halt eine/r nach dem anderen…dann erscheint Daniel in meinem Gesichtsfeld…und sagt „Tsuki“…..ahja…..Vertrauen ist gut, korrekte Haltung ist besser – „skiiiiii!!!!!“ – aha – so fühlt sich das also an! Wenn´s wer kann (Daniel kann´s!) – kein Problem! Dann werde ich noch zu einem Gang Kirikaeshi aufgefordert  – no prob.

Hey – Leiwand!! 😉

Ich werde aus meinem Prügelknaben-Eck wieder entlassen und muss die Rüstung wieder hergeben – hehe – feine Sache!

Der DonauCup zieht ins Land, und wir haben ein ganzes Wochenende lang Zeit, zuzusehen, warum wir in die Rüstung wollen.

Daniel redet davon. Mischa redet davon. Roman und Lukas werden eines schönen Donnerstags von Wolfi wegegeschleppt und betreten 20 min später im Bogu den Dojo wieder. Sie können sich danach an nichts erinnern…

Das erste Mal in der Mittwoch-Halle

Die Nachtricht erreicht uns (Maria, Moritz, Robert und mich) per Mail von Daniel – Rüstung ausfassen von Mischa und in der Mittwochs-Halle antanzen.

Als ich dort mit meinem unhandlichen Bogu-Sack eintrudle (demnächst muss ein Bogu-Rucksack her!!) hüpfen Moritz und Robert bereits aufgeregt herum (oder vielleicht kommt mir das auch nur so vor – ich bin auf jeden Fall aufgeregt), während Werner den ruhenden Pol gibt. Daniel und Maria stoßen dann dazu – auf geht´s!

Die Kenshikan-Leute haben sich für den Rüstungs-Einstieg etwas Geniales ausgedacht – ich nenn´s für mich mal Workshop – eine ganze Trainingseinheit ausschließlich nur für die Rüstungsanfänger, und zwar nur für die.

So sind wir zu siebent in der Halle, Doris kommt auch noch dazu, und Daniel fängt bei den Basics an – wie trage ich die ganze (sperrige) Ausrüstung korrekt in den Dojo, wie lege ich sie korrekt ab (damit ich sie zB bei einem Seminar auch wieder finde – hat ja alles auch einen praktischen Hintergrund!)

Der einfache Teil – die Tare binden. Das Erstaunliche ist immer wieder, wie wenig man sich doch trotz der vielen Himo und Schichten eingeengt vorkommt – zumindest mir geht es so!

Dann der Do – ist schon ein bisschen trickier mit den beiden Schlauferln, die natürlich gegengleich sein müssen (no na – wann ist hier was nicht auch ornamental??) und die Masche hinter dem Rücken soll natürlich auch wieder eine schöne sein.

So angezogen machen wir mal die ersten Aufwärmübungen – und siehe – geht gut! Kaum ein Unterschied zu vorher!

Dann – wird´s komplex. Tenugui. Abgesehen davon, dass wir an einer kurzfristigen Tenugui-Knappheit laborierten und tatsächlich ein Handtuch in der Mitte auseinandergerissen haben – es waren dann eh genug Tenugui vorhanden in diversen Rucksäcken – ist diese Spann-Klemm-Steck-Technik nicht so trivial (wie auch vom Zusehen schon bemerkt habe). Ohren und Haare sollten irgendwie verstaut werden, es sollte nicht in die Stirn rutschen und aus dem Men sollten keine Zipfel mehr herauslugen und nirgends kann man richtig anziehen, weil das ganze einfach zu fragil ist! Schlussendlich haben wir´s aber doch hinbekommen und dann – der Men.

Und das war erstaunlich einfach. Wenn er gut gefädelt ist – einfach aufsetzen, festzurren und einen schöne Masche machen. Tschäck. Dann noch die Flappen auseinander gezogen, damit die Ohren Luft haben – fühlt sich ok an!

Daniel legt uns nahe, das alles daheim ausgiebig zu üben, da es nix peinlicheres und vor allem auch unhöflicheres gibt als Kendoka, die ihren Men nicht ordentlich binden können und deshalb ständig das Training unterbrechen müssen, ihre Trainingspartner damit zum untätig Herumstehen zwingen und an den Himo herumfummeln. Also – üben, üben, üben!

Tja – dann – schnuckle ich mich in die Kote (zuerst links, dann rechts) – und dann – stehen wir mal da. Und grinsen hinter unseren Gitterstäben.

Moritz hat leider einen viel zu großen Men ausgefasst, was nicht nur lästig sondern ein Sicherheitsrisiko ist. Kein Problem, er wird ihn tauschen.

Es hilft alles nix mehr – los geht´s!

Grundtechniken.

Und langsam beschleicht uns alle das Gefühl – wir haben noch nie vorher Kendo gemacht.

Nicht, dass ich mich unwohl fühle. Mich stört der Men zum Beispiel überhaupt nicht. Aber – es fühlt sich alles schaumgebremst an. Wie unter Wasser. Die Haltung passt – aber – Lockere Handgelenke??? Irgendwann bemerke ich, dass ich meine Händen irgendwo am Shinai habe, aber nicht dort, wo sie hingehören. Von dem Schwung, den ich vorher (zeitweise 😉 schon hatte – ist nichts zu spüren.

Und wie wir danach draufkommen – es geht uns allen so.

Außerdem – ich dachte, ich schwitze nicht mehr so sehr – mah…….

Und trotzdem – macht es irren Spaß. Doris, Daniel und Werner sparen nicht mit sehr konstruktiver Kritik, ich bin sehr froh, das ganze hier im geschützen Bereich ausprobieren zu können, kein Stress, wir sind sozusagen unter uns und das ist toll.

So starten wir halt unsere tollpatschigen Angriffe und jede/r kämpft mit jeden, Daniel, der Gute, dokumentiert jeden von uns auf Video (hab´s mir schon angesehen – Schnecken-Kendo 😉 und ruft auch jeden von uns zu sich für eine Runde Ji-geiko. Bloß keine Furcht zeigen 🙂 – auf ihn mit Gebrüll 😉

Vor lauter Üben übersehen wir beinahe die Zeit, Rüstung ablegen dauert ja auch noch ein Zeitl, alles wieder korrekt verstauen (hab´s mir nicht genau gemerkt, aber da linse ich einfach zu den alten Hasen rüber 😉 Hakama zusammenlegen und doch noch in die Dusche springen.

Geschafft. Wir wanken noch ins Kaffee Heine – können jetzt nicht einfach heimfahren. Müssen noch ein wenig gemeinsam herumhängen.

Ich möchte mich hiermit ganz besonders bei Daniel, Werner und Doris bedanken, für ihre Zeit und für ihre Unterstützung bei unseren ersten Gehversuchen (im wahrsten Sinne) und auch bei allen anderen bei Kenshikan, die ihren Input gegeben haben. Geniales Konzept, ich denke, wir haben dadurch einen sehr umfassenden Zugang zum Training im Bogu erhalten.

Ab jetzt sind wir Kendo-Käfer 😉