Zehntes Jahr, zweites Bogu, erstes Training – komisches Gefühl

Nach mehr als zehn Jahren Kendo dachte ich mir, es wäre vielleicht eine gute Gelegenheit, mir eine neue Rüstung zuzulegen. Immerhin lösten sich bei meiner alten Rüstung schon einige Teile langsam aber sicher auf. Zufällig hatte gerade auch ein Anbieter Rabatt auf ein auf den ersten Blick passables Bogu. Also dachte ich mir „Warum nicht?“ und hab einfach zugeschlagen. Das Ergebnis fällt zwiespätig aus.

Es ist nämlich ein ganz merkwürdiges Gefühl, in eine komplett neue Rüstung zu schlüpfen. Das letzte Mal, dass ich das gemacht habe, war im August 2001, als ich mein erstes Bogu bekam. Damals noch nicht einmal selbst erworben, sondern von jemandem, der gerade mit Kendo aufhörte, abgekauft. Sie war von Tozando, nagelneu und passte, also wurde sie mein. Später kamen größere Kote von Kendoshop (der meines Wissens nach als einziger eine „XL“-Variante bietet) dazu, weil meine Hände offenbar keinen japanischen Normen entsprechen.

Ungewohnt

Mein neues BoguDas neue Bogu-Set wurde mir von E-Bogu in nicht einmal drei Tagen geliefert. Also vom Versand war ich schon einmal beeindruckt. Die Qualität scheint auf den ersten Blick auch in Ordnung zu sein. Also packte ich alles und machte mich auf den Weg ins Donnerstagstraining. Der Men passte, aber fühlte sich merkwürdig an. Sehr steif und irgendwie noch nicht so richtig „eingedrückt“. Als ich ihn mit meinem alten Verglich, wurde mir gleich klar warum. Während der neue Men schön gerade ist und das Gitter senkrecht in der Mitte verläuft, ist der alte schief. Ob das jetzt aufgrund der langen Jahre Anpassung an meine Kopfform oder ein Defekt aufgrund der intensiven Belastungen ist, kann ich nicht sagen. Die Furchen am Gitter hat dem neue Men natürlich auch nicht. Etwas erschreckend ist der Materialschwund. Genau auf der Trefferfläche fehlen meinem alten Men etwa 2-3mm Material. Offenbar haben mir im Lauf der Jahre meine Trainingskameraden einiges „weggeprügelt“.

Etwas kurze Tare-BänderEine Wohltat ist das neue Do. Das alte war mir immer ein bisschen zu klein, insbesondere was die Höhe anbelangt. Beim neuen fühlte ich mich gleich von Anfang an wohl. Die Tare hat mich stutzig gemacht. Von den Abmessungen ist sie ident mit der alten. Allerdings deutlich steifer und erstaunlicherweise mit etwa 7cm kürzeren Bändern. Letzteres war ein bisschen mühsam beim Binden, muss ich zugeben. Ich hoffe, das dehnt sich bald aus.

Daumenschrauben

Die Kote könnten ein Problem werden. Obwohl ich korrekt abgemessen habe (gerade nochmal überprüft), kommen sie mir winzig vor. Im Training hatte ich das Gefühl, Daumenschrauben zu tragen. Besonders mein rechter Daumen fühlte sich an, als würde er gleich zerquetscht werden. Wolfy und Dieter meinten, das Leder müsse sich einfach noch dehnen. Aber im Vergleich zu meinen Drei Generationen Kote: E-Bogu (neu), Kendoshop (XL), Tozando (alt)XL-Kote glaube ich nicht, dass ich so schnell mit den neuen Dingern warm werde. Daher werden die alten wohl eine Weile in Reserve gehalten. Etwas kurioses tat sich aber bei den Übungen. Meine Men-Schläge waren mit den Daumenschrauben gerader als sonst. Dafür waren Techniken, für die man lockere Handgelenke benötigt, kaum möglich. Noch sehr steif das ganze.

Im Endeffekt kann ich eigentlich noch gar nicht wirklich ein Urteil über die neue Rüstung abgeben. Die nächsten Wochen werden zeigen müssen, wie sich das ganze so entwickelt. Preislich hielt sich das Experiment dank des Rabatts im Rahmen.

Alle Fotos: Bogu alt vs Bogu neu

Nachtrag 23. Mai:

Das zweite Training mit den Daumenschrauben war deutlich angenehmer. Lag vielleicht auch daran, dass man sich im Kampf gegen Kamemoto-Sensei nicht wirklich auf Kleinigkeiten wie Schmerzen konzentrieren kann. Aber ich glaub, das wird doch noch was mit den Kote.