Onsen 2011: In Bambusgewittern

Also fragte mich Janin „fährst mit auf´s Onsen?“ und ich sagte „aber ja – warum nicht!“ Ok- das ist jetzt die verkürzte Version, aber ungefähr so lief´s.

Las nochmal in Daniels Mail nach, besuchte die Website – auch für nicht Rüstungs-Träger – na gut – tippyditippyditipp – klickklickklick – bingo! Bin dabei. Mit nur sehr vagen Vorstellungen, was da auf mich zukommen könnte.

 

 

Der Jänner gallopierte an uns vorbei, zwischendurch hatte sich Robert auch noch entschlossen, sich anzumelden (nachdem er jetzt endlich sein Keiko-Gi hatte ;-), ich hatte es geschafft, mein Auto zum Pickerl zu bringen (was eine Geschichte für sich ist, und mit Kendo nur wenig zu tun hat, außer dass ich mit meiner kompletten Ausrüstung in Korneuburg gestrandet bin, dazu ein andern Mal….) und schon war der 28.1. da. Wir treffen uns alle im dritten Bezirk und dann geht´s auf nach Bad Schallerbach.

Auch wenn das alle als Ausrede und Zeznhaftigkeit abgetan haben 😉 – ich hab´s geschafft, mich noch rechtzeitig ordentlich zu verkühlen und bin hustend und rotzend angekommen, und ich schwörs, hätte ich mich nicht ein paar Leuten verpflichtet gefühlt, ich wäre das Wochenende im Bett geblieben.

Davon war aber nunmehr nicht die Rede.

Nach dem Eincheck in dem sehr ordentlichen Hotel (Danke, Eugen! gute Wahl!) geht´s also mal rauf in den Dojo, eigentlich walking distance, und mit klopfendem Herzen tappe ich hinter Janin her in Richtung Damen-Umkleideraum. Es wurlt bereits hier, ein paar Gesichter kenne ich schon, aber ansonsten stürzt eine solche Flut von Eindrücken auf mein leicht umnebeltes Hirn ein, dass  ich nur mehr schwach grinsen kann und auf Autopilot schalte.

Heißmacher Harald

Dann ist es soweit – runter in den Dojo. Erster Eindruck: viiiiiele Teilnehmer, schöner großer moderner Turnsaal und die Seminarsprache ist (internationale Beteiligung!) Englisch. Aufwärmen. Die Linzer sind ja die Aufwärm-Meister, und Harald Hofer himself macht uns heiß – und zwar ordentlich. Gut geht´s mir nicht, aber besser als erwartet, so halte ich tapfer mit, es gehen sogar die Chojaku-suburi, nur das Mitzählen, das erspare ich mir, das ging einfach nimmer.

So kam es mir dann sehr gelegen, dass Kamemoto-San danach den ersten seiner Vorträge hielt (wenn wir auch danach etwas ausgekühlt waren ;-). Sehr interessant, Oliver Mattausch übersetzte aus dem Japanischen ins  Englische, wofür er meinen tiefsten Respekt hat, denn hier ging es ja nicht um alltägliche Dinge, sondern um die Philosophie eines Kampfsports, sprachlich nicht gerade trivial. Das Thema des Seminars „How to seize and create opportunities“ – sehr interessant, auch für uns (wenig, aber doch) Rookies.

Dann – gab´s kein Entkommen mehr, es ging ans Eingemachte. Es stellte sich heraus dass wir zu fünft ohne Rüstung waren, Robert, ein Innsbrucker, Gabriele Kepplinger und eine weiter junge Frau, beide aus Linz. Ein wenig verloren standen wir herum, entschlossen uns dann aber ganz einfach, Grundübgungen zu machen – Men-schlagen, und Kirikaeshi, viele viele Kirikaeshi, in aller Ruhe, und ich muss sagen – es hat gutgetan! Wir haben dann später erfahren, dass Dieter (Hauck) eigentlich für die Kendo-Larven dasein hätte sollen, der hatte aber kurzfristig absagen müssen, was ich sehr bedauere, aber ich komme sicher wieder mal in den Genuss seines Trainings – wäre interessant gewesen mit Dieter sowas wie ein Privatissimum zu haben, aber – war halt nicht.

So brachte wir wacker die Zeit herum, sehr interessant, mal mit Leute zu üben, die man nicht kennt – sehr  gut für die Weiterentwicklung! Neben uns war wieder mal der Dschungel am Wüten, aber so, wie mich Metallica sanft machen, so sorgt das Geschrei und Gescheppere bei mir für Wohlgefühl …. Irgendwann sind dann die formalisierten Übungen vorbei, und die Leute begeben sich in den Freikampf, und ich schleiche mich ein wenig auf die Seite, schnappe mir meine Kamera und gönne mir eine kleine Durchatem-Pause – die weniger körperlich, sondern mental notwendig war. Aber lange war sie mir nicht vergönnt, Daniel entgeht das nicht, wenn sich die Schüler zu drücken versuchen und schon stand er vor uns – „suchts euch wem, schlagts ein paar Men und geht schon!“ Ganz ehrlich – mir fehlt ganz einfach der Mumm, dass ich einen der Gerüsteten darum ersuche, dass er/sie mich ein paar Men schlagen lässt….komme mir ganz ehrlich noch nicht „reif“ genug vor (ja! doch! soviel Selbstvertrauen hab ich hier nicht!!!) Aber – hehe – Robert und ich erspähen Eugen und Janin, und da trauen wir uns (Daniel, ich verspreche dir, nächstes Jahr ist das dann anders – aber heuer war ich einfach zu schüchtern). Also semmle ich Eugen ein paar auf den Men und dann Janin auch und wir brauchten nicht gar so ein  schlechtes Gewissen haben …. (aber ein paar nette Fotos hab ich doch geschossen 😉

Und auf einmal – ist die Zeit herum. Nach Erledigung aller Formalitäten wanken wir in die Duschen (die traditionsgemäß mal ewig kalt sind) und danach gibt´s Socializing mit Weißwurst und Pasta, ich muss sagen, es war seeehr lecker!)

Mehr als ins Quartier gehen war dann einfach nimmer drinnen, es war göttlich, sich auf dem Bett ausstrecken zu können….

Ein paar Matawari zu viel

Samstag. Das Wissen darum, was uns bevorstand, versetzte mich in zweispältige Stimmung – ok – ich bin nicht völlig auf verlorenem Posten, aber – *keuch* – es wird hart.

Der Vortrag kam diesmal gleich vor dem Aufwärmen, dann gings wieder los. Wir nahmen wieder uns Anfänger-Ringelrei auf, und von Zeit zu Zeit kam einer der Gerüsteten und brüllte uns etwas Konstruktives zu. Genaues weiß ich nimmer, ich verbrachte den Samstag Vormittag in einer Art combat-mode – ging aber gut! Plötzlich war Mittagspause und wir trabten flotten Schrittes in die Pizzeria, wohl wissend, dass wir jede Minute zusätzlich bräuchten, um genug Abstand zwischen Nahrungsaufnahme und Training zu bringen. Was wir auch schafften –  trotzdem war das Aufwärmen am Nachmittag das allerhärteste, Luca Prayer übernahm es wieder, und ließ uns auf Grund eines Missverständnisses ca. achtzig Matawari machen (ok, immer zehn mit Pause) bevor Kamemoto-San ihm was ins Ohr wisperte, Luca etwas zurückwisperte, worauf Kamemoto-San theatralisch an Lucas Schulter zusammenbrach …aber die Auflösung des Geschichte kennt ihr eh ;-))

Die hundert Chojaku-suburi waren die härtesten ever…

Wir Anfänger konnte wieder in Ruhe trainineren, und schön langsam machte sich die Intensität bemerkbar – Ich glaube, dass ich generell einiges besser machte, einiges besser verstanden hatte und mich schlichtwegs mehr zu Hause fühlte.

Am Ende der Einheit – waren wir einfach nur mehr vollkommen fertig aber glücklich. Ich hab noch nie so eine gute Pizza wie nach diesen drei Stunden gegessen und der Wein war auch hervorragend. Der Gedanke, dass wir dreiviertel in Würde geschafft hatten, verlieh uns Mut und Zuversicht für den Sonntag.

Überlebt!

Sonntag machte sich unter den Teilnehmern schon die Wiedererkennung bemerkbar. Die ersten beiden Tage waren wir hauptsächlich mit uns selbst beschäftigt, aber Sonntag früh begrüßten wir uns schon anders, und das ist einfach ein klasse Feeling.

Das Aufwärmen übernahm eine der Linzerinnen (sorry, dass ich mir den Namen nicht gemerkt habe!) – sehr lustig, spielerisch aber effizient, grade richtig für Sonntag Morgen. Den üblichen Hundert entkamen wir aber trotzdem nicht 😉  Die junge Frau aus Linz trug nun auch ein Keiko-Gi und wie wir wissen, macht das einen Unterschied 😉 Der Tiroler war auch etwas lockerer geworden und Janin, die am Fuss verletzt war, hatte sich zu uns gesellt, so ware wir jetzt sechs. Und wir hatten auch einen eigenen Trainer, Izoyama-San (ich hoffe, das ist richtig geschrieben) nahm sich unser an, und er war nicht unzufrieden mit uns.

Tja – und dann – haben wir´s geschafft! Und gar nicht mal schlecht!!

Resüme: Ich kann allen den Besuch dieses wirklich tollen und sehr sehr nett organisierten Seminar nur wärmstens empfehlen. Selbst ohne Rüstung hab ich sehr davon profitiert, und ich denke, den anderen ist es auch so gegangen. Ich bin regelrecht im Kendo-Paradies geschwebt, voll motiviert und begeistert! Man hat einfach viiiiiiiel Zeit, an sich zu arbeiten, was durch nichts auf zu wiegen ist, und es sind jede Menge Leute da, die einen korrigieren, was unheimlich wertvoll ist. Wir haben uns sicher ein wenig versteckt, aber wenn das Seminar noch zwei Tage weitergegangen wäre, hätten wir uns sicher auch noch weiter vorgewagt ,-)

Und selbst die Theorie nahm ich mit, wenn ich sie schon nicht ausprobieren konnte (aber das kommt schon noch)

Ich hab zwar zwei Wochen gebraucht, um meine Stimme wieder zu bekommen (heiser sein und Kiai ist nicht so gut, aber es geht wieder) und etwas lahm war ich auch, aber es war´s wert. In das Training am darauffolgenden Dienstag ging ich einfach mit einer ganz anderen Haltung…. und was sind schon fünfzig Chojaku-suburi ;-))

Nächstes Jahr wieder? Na klar, und zwar in Rüstung!

Epilog: Mittlerweile sind zwei Wochen vergangen, eine Woche davon war kein Training, aber mit dem Schreiben dieses Blogs kommt das Feeling wieder zurück, hat alles immer sein Gutes. Und noch ein Gutes hatte es – als ich diesen Samstag beim IBU-Seminar war (auch wieder eine eigene Geschichte) war es sehr erfreulich, mittlerweile vertraute Gesichter wieder zu sehen – Susanne Tanzer etwa, und einige andere noch, wo ich es noch nicht geschafft hab, Zekken und Gesichter einander zu zuordnen 😉 aber das wird schon noch.

Ich mag die Kendo-Welt 🙂