Onsen 2011: Die doppelte Dosis Hitze

Unter dem Thema „How to seize and create opportunities“ stand heuer das inzwischen achte Kendo.Onsen, das traditionsgemäß in Bad Schallerbach stattfindet. Offenbar ein spannendes Thema, denn mit fast 60 registrierten Teilnehmern (von denen aber ein paar krankheitshalber ausfielen) war das Seminar gut besucht. Es gab dann auch jede Menge zu lernen – und zu üben, denn mit viermal je drei Stunden Training war das Wochenende ganz schön ausgefüllt. Fotos vom Seminar gibt es übrigens hier zu sehen.

Bevor es aber ans Schwitzen ging, welches nach dem Training weiter ging (später mehr dazu), gab es zunächst einiges an Theorie. Kamemoto-Sensei erklärte den wissbegierigen Teilnehmern, was es eine Gelegenheit im Kendo überhaupt ist und was man benötigt, um sie auszunutzen. Konkret geht es darum, eine sich darbietende Lücke zu erkennen (wobei es hier mehrere Arten gibt) und daraus einen Treffer zu machen. Dafür benötigt man:

  • ein gutes Auge, um die Lücke zu sehen
  • flinke Füße, um im richtigen Moment reagieren zu können
  • den Mut, einen Schlag durchzuführen, ohne Rücksicht auf Verluste
  • und die Technik und Kraft, um einen korrekten Treffer zu landen

Das alles ist jetzt natürlich sehr verkürzt dargestellt. Trainiert wurden dann mehrere Techniken, die dazu dienten, die verschiedenen Arten von Gelegenheiten, die sich bieten, auszunützen. Das fing schon beim einleitenden Kirikaeshi an, das bei diesem Seminar ein bisschen abgewandelt wurde, um ein Gespür für die Schlaggelegenheit zu entwickeln.

Nach den diversen Techniken gab es dann noch in jeder Einheit ausgiebig Zeit für freies Training. Eine schöne Gelegenheit, mit all den Jungs und Mädels zu kämpfen, die man nur alle heiligen Zeiten einmal sieht. Etwas erschöpfend war für mich persönlich der Samstagnachmittag, wo ich knapp eine Stunde am Stück ohne Pause Motodachi gemacht habe. Durchaus eine körperliche und geistige Herausforderung, in jedem einzelnen Kampf immer noch alles zu geben, selbst wenn innen drinnen eine Stimme nach einer Pause rief. Sie wurde aber durch diverse Kiais gut übertönt. Danke hiermit an alle, mit denen ich das Vergnügen hatte!

Nach dem Training am Samstag gab es noch einen Besuch in der örtlichen Therme und der dortigen Saunalandschaft. Somit also der zweite Teil des Schwitzens, wenn auch auf eine etwas angenehmere Art und Weise. Eine gute Gelegenheit, geschundene Muskeln zu entspannen und einmal zur Ruhe zu kommen.

Aussicht auf Nummer vier

Für alle, die demnächst bei der IBU zu einer Danprüfung antreten werden, gab es noch ein Spezialtraining nach jeder Einheit unter den wachsamen Augen von Kamemoto-Sensei. Darunter ich, der den vierten Dan probieren will. Wir mussten in einer gestellten Prüfungssituation jeweils zweimal 90 Sekunden kämpfen. Nur zweimal 90 Sekunden, um fünf hochrangige Senseis von unseren Fähigkeiten zu überzeugen! Gerade einmal drei Minuten, in denen man sein gesamtes Können und seinen gesamten Kampfwillen in die Waagschale werfen muss – und sich gegen jemanden behaupten muss, der genau dasselbe tut. Erst hier, obwohl es (dank einmal Durchfallen) meine fünfte Danprüfung sein wird, ist mir so richtig bewusst geworden, wie wichtig die Fähigkeit ist, nichts zurückzuhalten und alles zu geben – selbst wenn man nach mehreren Trainingseinheiten schon komplett k.o. ist.

Kamemotos Worten waren ermutigend – zumindest teilweise. Von denen, die zum vierten Dan antreten wollen, seien alle besser, als er erwartet hätte. Allerdings zeigte sich, zumindest bei mir, eine recht schwankende Performance-Kurve. Noch zwei Wochen, um die Tipps, die mir Kamemoto-Sensei dankenswerter Weise gegeben hat, umzusetzen und an diversen Dingen bei meiner Technik zu arbeiten. Eins steht fest: Es wird nicht leicht werden. Aber das wäre ja nicht das erste Mal. Und das ist gut so. Denn dann bedeutet es etwas, wenn es einmal klappt!

Zum Abschluss erwähnte Kamemoto-Sensei noch eine wichtige Sache: Ein Seminar kann man nur dann als „gut“ oder „erfolgreich“ bezeichnen, wenn man das, was man dabei lernt, auch umsetzt. Dem gibt es eigentlich nichts hinzuzufügen, außer eines: Üben, üben, üben.