Anfängerkurs-Bericht Teil 17: Reset

Nach dem tosenden Schlussakkord des Weihnachtstrainings war drei Wochen Kendo-Abstinenz angesagt. Drei Wochen!!! Wie soll man denn das aushalten?? Wir hielten es aus. Unter anderem auch wegen der Wunder moderner Kommunikationstechniken, die uns Weitverstreute verbinden. Nachdem wir uns im Dojo und noch danach von einander verabschiedet hatten, ging die Plauderei im Cyberspace weiter – Danke, Facebook, GoogleMail und Konsorten – man kann mit euch auch was Sinnvolles anfangen!

 

 

Da wir den ersten Dienstag im Monat haben, hab ich vorsorglich mein Bokuto mitgenommen und fiebere meinem ersten Kata-Training entgegen (davon können einige Leute ein Lied singen ;-))

Benni ist schon im Dojo als Mischa und ich eintrudeln, wir haben viel Zeit und ich kann mich in aller Ruhe anziehen (hey, meine Himo sind länger geworden – war das Laufen zwischen den Feiertagen doch für was gut!) und betrete irgendwie aufgeregt den Dojo. Weil immer noch massig Zeit ist, fange ich mal mit Suburi an…..

Benni kriegt von Mischa den Auftrag mich mal in den Kata-Basics zu unterweisen, und so nehmen mich er und Günther, der mittlerweile auch schon da ist, unter ihre Fittiche. Ehe ich mich versehe, hat Günther mir mein Bokuto entwunden (nein, ich hab´s ihm unter Wahrung der Etikette übergeben 😉 und er und Benni üben Kata. Und dann kommt Janin, und Robert und Cosmo und Uwe und alle die, von denen ich die Namen noch nicht weiß, aber für mich einfach schon vertraute Gesichter sind und eine aufgeregt schnatternde, vielköpfige Meute versammelt sich da im Dojo, und irgendwie macht sich eine Stimmung vor Ausgelassenheit breit.

Ich „rüge“ Robert, weil ich schon so gespannt war, wie er in Blau aussieht, und er immer noch im „normalen“ Trainingszeug herumsteht. Lieferverzug. Na dann hoffe ich auf nächste Woche!

Na denn – auf geht´s! Nix Kata, Mischa wärmt mit uns auf und lässt uns brüllen („mir ist das zu leise…“ ;-)) und das Kendo-Feeling ist wieder voll da.

Dann – tritt Helmut vor uns hin und ist mal streng. Und das ist richtig gut. Back to the roots, kein Übermut, sondern konzentriertes Arbeiten – und wir wissen alle wieder, wo wir sind (ganz am Anfang). Langsam!!! Sonkyo – gaaaaanz langsam……bewusst, nicht zackzack……jaja, alle Sinne auf Empfang und Aufmerksamkeit, kein Hollodaro sondern Fokus.

Wow.

Und unsere Mätzchen! Mit den Händen herumfummeln, Schultern richten, herumtanzen…..wir (ich!!) haben so viel mit uns selbst zu tun…..und gottlob sagt uns Helmut das auch….

pfff…..ein seltsames, weil wohltuendendes Gefühl der Bescheidenheit beschleicht mich – vor Weihnachten kam ich mir zeitweise schon gut vor, das war mir irgendwie unheimlich, aber nach einer Stunde training bin ich wieder geerdet und es fühlt sich gut an. mit den Füßen wieder am Boden zu stehen!

Kirikaeshi…..

Ok, das haben wir mit Vanessa in grauer Vorzeit schon mal gemacht, also ich weiß ungefähr, worum es geht.

Wir fangen im Stehen an. Gottlob. Nach dem etwa fünften Sayumen fällt mir auf, dass ich nicht aushole – warum nicht? Es gibt keinen Grund dafür! Bei den Suburi mach ich´s ja auch halbwegs richtig, also warum jetzt nicht? Und überhaupt – bin ich hektisch – auch dafür gibt es keine Grund! Eigentlich könnte ich das alles ganz ruhig und konzentriert machen – schließlich sollen hier Grundtechniken aufgebaut respektive gefestig werden.

Fusstechnik? oh my……keine Ahnung, ich bin vollauf damit beschäftigt, zu zielen und zu treffen…..

Um es kurz zu sagen….ich hab das Gefühl, dass ich nur vor mich hinstümpere – und gleichzeitig muss ich wirklich lachen, das Ganze hat auch einen sehr erheiternden Aspekt, einfach die eigenen Grenzen so locker vor Augen geführt zu bekommen…..es formt wirklich den Charakter 😉

Und anstrengend ist es auch noch, aber das mag ich ja sowieso.

Kirikaeshi mit elfmal Sayumen auf einen Atemzug, und das wird dann wirklich schon knapp.

Und dann – im Gehen…na gut…..da war ich dann wirklich etwas überfordert mit der Koordination meiner selbst 😉

puh…..ich muss üüüüüüben!!!!!!

Das Schöne ist, zu sehen, wie wir uns alle immer wieder fokusieren und motivieren und jeder versucht, sein/ihr Bestes zu geben. Wir werden alle daran wachsen….

zwei Reihen, abgrüßen, Schlussmeditation, und danach erzählt uns Helmut noch einiges, und Mischa erzählt einiges und ich mache eine kleine, aber  blöde Bewegung und krieg prompt einen Krampf um Fuss, aber aufstehen und  schütteln – no way, und siehe – ich kriegs wieder in den Griff und kann meine Muskeln entspannen aber lässig verharren war dann nimmer 😉

Doch der lange und herzlichen Applaus zu Beatrix´drittem Dan lässt mich dann auch meine rebellierenden Unterschenkel vergessen

Es war sicher eines der erhellendsten Trainings, die wir bisher hatten (die Rookies) und eine geniale Motivationsbasis für die nächste Saison 😉

Und beim Wirten waren wir wieder ausgelassen 😉