Anfängerkurs-Bericht Teil 14: Zanshin

„Zanshin bezeichnet einen körperlichen und geistigen Zustand erhöhter Wachsamkeit, Achtsamkeit, Aufmerksamkeit und Konzentration nicht nur, aber insbesondere in Kampfsituationen auch nach einem erfolgreichen Angriff“ (Quelle: Wikipedia)

 

Dienstag – es schneit bereits den ganzen Tag. Unterwegs zum Dojo treffe ich einen meiner Kollegen, der angesichts der schmalen. schwarzen Tasche quer über meinen Rücken meint „..ah, gehst wieder Billard spielen…!“ (zu seiner Ehrenrettung sei gesagt – er weiß, was ich treibe, aber ich steh bei ihm notorischerweise auf der Schaufel….).

Im 16. Bezirk liegt bereits doppelt so viel Schnee wie im 20., und so stapfe ich gesenkten Hauptes durch das Schneegestöber Richtung Dojo. Wo bereits einige Leute anwesend sind, Dehnungsübungen machen, aufwärmen oder einfach nur in sich selbst versunken herumstehen.

Mischa fehlt, Daniel ist auch nicht da, und irgendwie – ist es ruhiger, beinahe – gedämpfter als sonst. Überhaupt werden wir heute nicht so viele, etliche vertraute Gesichter fehlen, macht aber nichts, einige der anwesenden kenne ich mittlerweile ein wenig besser, die (wirklich sehr suprige – das soll hier nochmal gesagt werden! – ) Weihnachtsfeier hat sehr viel zum internen Zusammenhalt  beigetragen. Es ist nicht mehr die zwar freundliche aber doch namenlose Menge von Personen, mittlerweile haben einige schon ein Profil.

Still bleibts aber trotzdem, aber wir sind ja nicht zum Plaudern da, sondern um Kendo zu machen.

Eugen wärmt mit uns auf, gut macht er das – wechselt zwischen den langsamen Übungen zum Zentrieren der Gelenke und den dynamischen, um unsere Körper auf Betriebstemperatur zu bringen – klappt super!

Und dann tritt Kamemoto-San vor uns in, was mich immer in eine gewisse Alarmbereitschaft versetzt – er macht gerne Wiederholungen (und ich lerne daheim nix 😉 Aber diesmal nicht, wir machen Suburi, Grundtechniken, vetraute Übungen, an denen ich noch viel arbeiten muss…

Danach – Fusstechnik. Und das baut er gut auf (finde ich 😉 – zuerst mal nur gehen-gehen-gehen-gehen ohne Shinai, gut, weil ich Zeit habe, meine Motorik zu analysieren, den Ablauf zu evaluieren und das Ergebnis zu optimieren. Nächster Schritt – Fumikomi. Ohne Shinai. Nächster Schritt – gehen-gehen-gehen mit Shinai im Kamae.

(prügelt mich nicht, wenn der Ablauf nimmer stimmt, ich bin draufgekommen, dass es mich ablenkt, wenn ich mir detaillierte mentale Notizen mache – korrektes Training ist mir dann doch wichtiger als ein korrektes Protokoll 😉

Weitere Steigerung – Men schlagen und durchgehen – angesichts der Erkenntnisse von vor zwei Wochen versuchen ich meine Fehler rauszukriegen (ich glaube, ich hab da so eine Idee – es könnte mit dem linken Bein zusammenhängen!), es läuft zwar nicht wirklich besser aber es macht mich nicht mehr so fertig.

Viel besser (im Vergleich dazu) geht es, bei jedem Schritt Men zu schlagen, und auf den etlichen Längen, die wir zurücklegen, hab ich bei zwei, drei mal den Eindruck, dass sich das richtig anfühlt.

Alles in allem fand ich´s sehr konstruktiv und weiß auch jetzt, wie es sich anfühlt, wenn man eine auf den Kopf kriegt – nicht schlimm, und es ist lehrreich 🙂

Kamemoto-San trägt mit seinen Darstellungen möglicher Fehlhaltungen sehr zu unserer Erheiterung und auch zu unserer Erhellung bei….

Soviel dazu. Es folgen Chojaku-suburi, die mittlerweile doch ihren Schrecken verloren haben, 50 Stück in einem sind eigentlich ziemlich ok (wenn ich dann mit Keuchen fertig bin), trotzdem hab ich einen Mords-Muskelkater in den Oberarmen (und ich hab mich bemüht, locker zu sein!)

puh….zwischendurch gibt´s auch mal eine Pause, in der alle weiterüben – erstaunlich…

Ich verkneife es mir zwar, auf die Uhr zu linsen (sie liegt hinter mir auf einem Fenstersims), aber rein gefühlsmäßig müsste es bald aus sein…..noch nicht ganz – aufstellen in zwei Reihen gegenüber – dann – Grüßen – drei Schritte – Sonkyo – Technik – Sonkyo – drei Schritte – Abgrüßen. Und das ganze dann auch mit Men und Kiai.

Dann war´s es schon wieder. Kurzweilig, hat sich nicht soooo anstrengend angefühlt, aber ich hab danach Schwierigkeiten, mein Schnitzel zu schneiden (nein, der Wirt war nicht schuld!) Und die Pommes waren auch ziemlich widerspenstig. Gottlob ließ sich das Bier noch zum Mund führen….

Was Kamemoto-San allerdings mit seiner Allegorie „Zanshin“ betreffend wirklich meinte, darüber rätseln wir noch immer….