Anfängerkurs-Bericht Teil 12: Bodenhaftung

Eine Woche Delay….auch nicht schlecht. Muss wieder auf grad kommen und meine Berichte zeitnaher schreiben („zeitnah“ wäre auch mal ein Kandidat für das Wort des Jahres..)

Donnerstag. Tiefwinterlicher Verhältnisse in Wien. Die für den Rüstungstransport sonst so praktischen Trolleys verwandeln sich in Schleppanker. Trotzdem verzaubert der Schnee die Stadt, es herrscht einfach feierliche Stimmung. Frohgemut betreten Viktoria und ich den Dojo, schütteln uns die Schneeflocken von Mantel und Jacke und tauchen ein in die Kendo-Welt. Während wir uns umziehen, fragt mich Viktoria wie es mir denn so ginge – na bestens, alles shiny, bin ziemlich zufrieden mit mir. Sie lächelt sanft und erzählt was von Frustration, manchmal….echt, sowas gibt´s?

 

Es wird aufgewärmt! Flott, flott, inzwischen sind dafür nicht mehr soooo viel Erklärungen notwendig, eher schon ein „achtet auf….“. Blöd nur, dass meine rechte Schulter auf einmal meint, sie müsste anfangen, wehzutun. Leider kann ich mit nichts heroischerem als einer Bursitis ( ;-)) aufwarten, die ich mir vor einem Jahr anlässlich einer langen Zugfahrt in einem klimatisiertem Wagon zugezogen  hab (noch weniger heroisch) und die durch exzessive Herum-Schlepperei von Laptop und anderem schweren Klumpert wieder aufgeflammt ist. Aua. Ich sag´s gleich – es wurde nicht besser.

Aber egal. Es wurde auch nicht schlimmer (ab einem gewissen Punkt).

Martin ist diesmal unser Trainer. Ich mag seinen Schmäh – knochentrocken. Was aber diesmal nicht viel hilft (dazu später..) Ein bisschen Zeit für Demonstrationen hat er, bevor hinter uns wieder der Schlachtenlärm losgeht.

Vorerst sind wir glücklich und üben shomen und sayumen und ich weiß nimmer genau was noch alles. Dann – geht´s ans Durchgehen. Was wir bis dahin noch nicht so wirklich geübt haben – ein wenig, aber nicht gezielt. Aber Fumikomi, ja, den haben wir gemacht am Dienstag davor und war ziemlich zufrieden mit uns.

Also dann – Men-schlagen mit Fumikomi und durchgehen. Martin zeigt es uns, dann bilden wir drei Linien,  ziehen uns an eine Seite zurück – „hashime!!!!!“ – Ausholen/linker Fuss drückt ab/“Meeeeeeeen“ – und es geht – überhaupt nicht. Nada. Null. Ich bleibe am Boden kleben, voll abgebremst, kein Funken Stamina, der Kiai versickert, Kensen zeigt ich weiß nicht wohin und das einzige, was mir klar ist – ich komme nicht weiter. Natürlich komme ich weiter, aber es ist kein „swift movement“, es ist ein Hoppeln der übelsten Art, weit entfernt vom Kendo-Schritt, es fühlt sich total verzögert und unrythmisch an – furchtbar! Ich komme kopfschüttelnd auf der anderen Seite an, wechsel Blicke mit meinem Liniennachbarn, konzentriere mich – nochmal – „Meeeeeen!“ – genauso wie vorher.

Ich mach´s kurz – ich hab´s nicht zusammengebracht – das Zusammenspiel von Fumikomi und Men-Schlag führte bei mir zu einem Bremsmanöver, das mir sämtlichen eventuell vorhandenen Schwung nahm und mich über die Länge hoppeln oder schlurfen liess. Ich hab mich einfach in den Boden hineingeschlagen anstatt dass mich der Schlag nach vorne gerissen hätte…..

Martin legte dann noch eins drauf und veranschaulichte uns unsere Mängel  in dem er Ausgewählte (unter anderem mich)  schubste – wir flogen mangels – hm – „stamina“ ist das beste Wort dafür – wie die Kegel durch die Gegend, keine Chance, die Linie zu halten…

Grmbl…je länger sich das hinzog, desto mehr hoffte ich darauf, dass Martin genug von dem Schauspiel hätte (ich hab keine Ahnung, wie es den anderen erging, aber ich glaube, ähnlich….) und irgendetwas ganz anderes mit uns machen würde, das hätte mich resettet, aber – nein. Länge um Länge gings dahin, und es wurde um keinen Deut besser.

Das Ende der Stunde war eine Erlösung, ließ mich jedoch (mal was Neues) frustriert zurück. Allerdings mit einer lehrreichen Art von Frust, nämlich dem Wunsch, noch viel mehr zu lernen (und mehr zu trainieren). Und dann denke ich an das, was mir Victkria vor dem Training erzählt hatte. Jaja. Jetzt kenne ich das Gefühl auch.

Ich wechsle nach dem Training noch ein paar Worte mit Daniel, schildere ihm kurz, wie es mir gegangen ist. Er meinte, es wäre kein guter Tag für´s Kendo gewesen.

Die muss es auch geben. Ohne Niederung ist auch das Hoch nur eine Ebene.

Auf ein Neues 😉