Anfängerkurs-Bericht Teil 8: Tranquility

I´m back.

The „common cold“ ist zwar echt kein Drama, aber den Sport sollte man trotzdem bleiben lassen, wenn man schon nach zehn Minuten Gehen zu schwitzen beginnt. Es fiel mir schwer, aber die Vernunft hat gesiegt. Eine Woche Pause.
Die jetzt vorbei ist, am Montag beim Bauchtanzen hab ich mir mal den Rost aus den Gelenken geschüttelt und mir meinen Körper wieder zurückgeholt (zeitweise verliere ich ihn).
Das Bokuto lass ich im Büro, das Kata-Training hab ich zu meinem Bedauern versäumt, aber das gibt´s ja immer wieder (I hope).

 

Umstände wie ein Parkplatz gleich vor der Türe führen dazu, dass ich ziemlich zeitig im Dojo bin, nur der zarte, blonde Kämpfer ist schon da, er hat sicher bereits den Saal ausgekehrt.

Und dann passiert etwas Seltsames – ich schalte mich aus. Normalerweise ist es sehr laut in meinem Kopf – das hörte gestern in dem Augenblick auf, als ich, Shinai und Kamera in der Hand, den Saal betrat. Ich hatte nicht mal Hemmungen, Jôgeburi zu beginnen – da kam ich mir bis jetzt doch seltsam vor. Egal. Es gibt nichts selbstverständlicheres. Ich stehe alleine im Dojo und schwinge das Shinai locker über den Kopf. Und denke an – nichts.

Welche Wohltat. (okay – davor war noch die MacGyver-Sache – die Tsuru eines Shinai war locker, ob ich denn eine Haarnadel hätte….ehrlich gestanden, ich weiß gar nicht, wie eine Haarnadel wirklich aussieht, aber aus Funk und Fernsehen weiß man, dass man damit alle möglichen Probleme lösen kann – ich konnte mit zwei Sicherheitsnadeln und einer Pinzette aufwarten (ich finde meinen Leatherman nicht….!), aber gegen den mittlerweile aufgetauchten Saitenschneider konnte ich nicht mithalten 😉 Shinai wieder ok)

Die Rookies (jetzt wird´s mal Zeit für Namen – und Fotos….. 😉 trudeln in den Raum, wir kennen uns kaum, aber da gibt´s so ein Einverständnis – wir sind eine verschworen Bande von Schülern 😉

Mischa kommt und sagt „locker, locker!“  – ja eh, aber schau mir nicht zu bei meinen Versuchen locker zu werden! – nein, das sag ich nicht, aber verlegen werde ich trotzdem ein wenig – will ja ein gutes Bild machen…

Mehr und mehr werden wir, toll, dass immer noch so viele dabei sind. Mischa ruft, wir formiere uns und dann macht er uns heiß….nach fast zehn Stunden vor einem Monitor ein Wohltat zu spüren, dass man sowas wie Gliedmaßen hat.

Beatrix (oder war es Doris? verzeiht, ich hab nicht geschaut, aber es war eine Frauenstimme 😉 ruft Seiza und Mokso aus…noch mehr Stille im Kopf – wow! – und dann über nimmt uns Kamemoto-san.

Es war der Abend der Repetition und er war gut. Es war sogar sehr gut. Ich hab keine Ahnung, wieviel Wiederholungen es waren – viele, viele, viele. Konzentration an, Konzentration aus. Das Shinai in der rechte Hand über dem Kopf halten während der Sensai durchgeht und korrigiert……fünf Minuten lang? Es geht, hie und da werfen mein Nachbar und ich uns Blicke zu, geht´s eh noch? Aber ja…..viel kann ich nicht darüber schreiben, irgendwann hatte ich zwar das Gefühl, ich kann (nein – ich will!) einfach nimmer, aber – ich will wollen….und auf einmal – kriegen wir fünf Minuten Pause….sehr unkriegerisch, aber motivationstechnisch unbezahlbar. Ich hab das Gefühl, dass alle einfach – gut drauf sind. Trotz der Schinderei. Oder gerade deswegen?

Dann – ist die letzte halbe Stunde vorbei, ich höre eigentlich eh nichts mehr – „die letzten zehn“ – also nochmals alles geben, das letzte Fuzel Konzentration…Aus…..zwei Reihen, Mokso, und dann gibt´s Applaus für den Sensai. Wow.

Heißes Wasser über mich laufen lassen  und langsam wieder Auftauchen.

Ich bin nicht der Typ, der eine neue Sache (was auch immer) mit dem Erwerb der bestmöglichen Ausrüstung beginnt….also trage ich Gymnastik-Kleidung.
Aber nicht mehr lange.

Beatrix hat ein neues Gi und eine neue Hakama. Wir sind ziemlich gleich groß und ich bin glücklich, dass ich ihre alte Kleidung kriegen kann….ich übernehme ehrfürchtig das schwere, indigofarbene Bündel und werde in das korrekte Zusammenlegen eingewiesen – ich geb´s zu, am Mittwoch wusste ich zwar das Prinzip, aber nimmer die Details 😉

Zwei Achterln Weiß und viel Gelächter beim Wirten am Eck.

U6.
S-Bahn.
Fahrrad.
Over and out.

Epilog

Ich bekam Hakama und Gi aus logistischen Gründen heute im Büro ausgefolgt, wo ich sie sofort K. zeigen musste – und dann – nicht mehr korrekt zusammenlegen konnte, eh klar. Aber – wozu hat man ein Netzwerk? Also rief ich T. an, ob er eine Hakama falten kann – prinzipiell jein, aber wir finden eine Anleitung im Internet. Also geh ich mit dem Teil zu ihm – und sehe sowas wie Anerkennung in seinen kritischen Augen – er befühlt den Stoff, und es ist fast  Ehrfurcht in der Art wie er die Falten glattstreicht, zu erkennen. Ich habe selten erlebt, dass er an etwas nichts auszusetzen hätte…..

Ich freue mich darauf, es zu tragen.

Nächste Woche.

Dienstag.

Schinnaglgasse.