Anfängerkurs-Bericht Teil 7: Bedrängnis

Donnerstag, Baumgasse. Unser Training beginnt eine Stunde später, weil die Fussballer wieder in der Halle trainieren…

Nachdem ich zwei mal Anlauf genommen habe, mich hier ein wenig darüber zu empören, dass wir ausgerechnet von Fussballern verdrängt wurden – lass ich es. Aber die Anmerkung, dass sich viele sogenannte „Nischensportarten“, die von begeisterten Idealisten durchaus erfolgreich ausgeübt werden, einer Massensportart unterordnen (müssen), die nicht nur gefährlich (doch, doch) ist, sondern in der wir (Österreicher) auch noch grottenschlecht sind, die kann ich mir nicht verkneifen. *neigt den Kopf und wartet auf die Tetschn*

 

Aber wie auch immer. Als ich in der Schule in den mittlerweile vertrauten Gang zu den Turnsälen einbiege, lagert dort schon eine erfreuliche Menge Leute – klasse, dass so viele kommen. Allerdings ist die Stimmung etwas unruhig, die Garderobe ist blockiert, und die ersten denken bereits über die Möglichkeiten zur Rückeroberung des Terrains nach. Ich selbst kann mich nicht beklagen, die Mädel-Garderobe gehört uns, wir können uns in Ruhe umziehen.

Irgendwie schwebt die Hektik aber weiter in der Luft, wortwörtlich, als wir den Saal betreten, können wir die Vorbenutzer noch riechen, ich bin mir sicher, dass sich das auf uns überträgt. Herumgewusel, wir sind heute viele, am oberen Ende des Saales wird eine Kamera aufgebaut …aha….wer dokumentiert da?

Einer aus unserer Anfängertruppe hat sich bereit Gi und  Hakama zugelegt, schön, dass es so viele doch ernst nehmen mit dem Weitermachen, ich bin noch immer im „Normal“-Trainingsoutfit, werde mir mit der Kleidung noch ein wenig Zeit lassen. Der Kollege meint, es wäre ihm zu lang, worauf Vanessa erklärt, das tät schon passen, man verschleiert damit seine Bewegungen und vor allem die Richtung der Bewegung vor dem Gegner.

Wir stehen herum und plaudern als es plötzlich Nacht wird vor mir – ich blicke nach ob, wo noch etwas Halle sichtbar ist, aber nicht viel, denn Daniel hat sich vor mir aufgebaut, der mir augenzwinkernd „befiehlt“, mich um die Rekrutierung zweier weiterer Rookies für Kenshikan zu kümmern – „Sie kommt zu uns, du kümmerst dich drum…“ Die betroffene Anfängerin lacht, ich nicke: „Sir, yes, sir.“  – na mal sehen, ob mein „du kommst zu uns, weil wir gehen nachher immer zum Wirten“ am Dienstag Wirkung trägt 😉

Jetzt wird es wirklich ernst mit dem Training, ich hab diesmal schon ein wenig das Shinai geschwungen, komme mir auch nimmer blöd dabei vor. So wie es aussieht, wird uns Dieter wieder überhaben (zum Trainieren….) er übernimmt auch das Aufwärmen, das auf Grund des knappen Zeitrahmens diesmal auch etwas kürzer ist als sonst (Fussball…ich meine….hey….), dann Meditation und dann wissen wir schon, wo wir hingehören, traben in die untere Hälfte des Saales und scharen uns um Dieter (für dessen Haar mir auch nach längerem Nachdenken nix treffenderes eingefallen ist….) der mit uns die Grundlagen durchgeht – da wir zwei ganz neue dabei haben, wird auch kurz Ettikette besprochen (NICHT über ein Shinai drübersteigen etc…) und dann – locker schlagen und trotzdem treffen.

Aufstellen in vier Reihen (wir sind gut 25 Leute), dann geht´s los, 20 Wiederholungen, 30 Wiederholungen, 50 Wiederholungen – Handgelenke grade halten! Mit der linken Hand das Shinai nach oben bringen! Sind meine Arme weit genug oben? Werde ich schlampig? Stehen die Füße parallel? In der richtigen Stellung? Weit genug auseinander? Sind meine Schritte lange genug? Stoße ich mich mit dem linken Fuß ab? Gehe ich eh nicht in die Knie? Schwinge ich das Shinai gerade nach vorne oder zeichne ich Kreissegmente in die Luft? Bleibt es gerade stehen oder pendelt es hin und her….? Und nicht nachlässig werden…meine Gedanken wollen sich heute wieder mal vertschüssen, was sich sofort in schleißigen Bewegungen niederschlägt…seitliches Men-Schlagen, Ausfallschritt mit zweimal Schlagen (puh – das war koordinativ eine Herausforderung!!) und dann ist das Training leider ziemlich abrupt zu Ende….grmbl…..hätte gerne noch weitergemacht.

Den Kampflärm nebenan nehme ich gar nicht mehr so wahr, wir sind auch schon laut genug, Dieter geht durch die Reihen und korrigiert, ich überstrecke gerne meine Handgelenke…üben, üben, üben – vielleicht am Wochenende irgendwo draußen.

Ende der Stunde – zwei Reihen, Meditation, dankeschön, am nächsten Dienstag fangen wir in der Schinnaglgasse schon früher an. Bin dabei 😉

Und Daniel hält weiterhin Platz Eins unter den Schweißtreibern 😉