Styrian Gasshuku 2010 – Mein erstes Seminar

Von 22. bis 25. Oktober fand im kleinen Örtchen Niederöblarn, in der tiefsten Steiermark, zum zweiten Mal das Styrian Gasshuku statt. Die Veranstalter haben ganze Arbeit geleistet und eine schiere Armada an Lehrern aufgetrieben. 15 Senseis, darunter sogar drei Hachi-Dans (8. Dans) konnten uns mit ihrer Kendo-Erfahrung unterstützen und das Gasshuku erst zu dem machen was es war: ein intensives, höchst lehrsames Seminar, bei dem jeder, vom Anfängern bis zum Hochgraduierten, auf seine Kosten gekommen ist.

Apropos Kosten: Das Seminar war auch recht günstig, Mit nur 160 Euro für 3 Tage und das alles in einem Sporthotel mit Vollpension und anliegender Sporthalle. Da es für mich das erste Seminar war, welches ich besuchen konnte, war es eine besondere Freude, und auch mit viel Aufregung verbunden einmal von so vielen Meistern geschult und trainiert zu werden.

Am Freitag, dem Anreisetag, war schon ein Welcome-Ji-Geiko um 16Uhr geplant, welches jedoch auf Grund Verspätung der Senseis auf 20Uhr verschoben wurde. Ganz zu Freuden von Daniel und mir, da wir uns erst um 19Uhr ankamen, und demnach gleich in die Rüstung gesprungen sind um die Meister kämpferisch zu begrüßen.

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Aufgrund der hohen Lehreranzahl stellten sich alle Meistern in einer Reihe entlang der Halle auf und wir mussten uns bei den gewünschten Senseis zum Kampf anstellen, wobei nicht mehr als drei Leute pro Meister warten sollten. Es waren zwar 60 Teilnehmer für das Seminar vorgesehen, gekommen sind allerdings ein paar weniger, was sehr schade ist, aber es ermöglichte uns fast ohne Unterbrechung zwischen Lehrern zu wechseln und das Training dadurch zu intensivieren. Nur bei den 8ten Dans gab es fast immer Warteschlangen, aber vor allem für Anfänger wie mich, gab es bei jedem Meister unschätzbar wertvolle Tipps. Man hoffte sehnlichst nach jedem Ji-Geiko das man sich möglichst viel des gegebenen Inputs merken und verinnerlichen konnte (falls nicht, haben einen die Meister mit Ruhe und Geduld noch einmal darauf aufmerksam gemacht 😉 ).

Es war vor allem sehr spannend in so kurzen Intervallen die ganzen unterschiedlichen Stile der japanischen Gäste zu erfahren. Schon nach ein bis zwei Ji-Geikos wusste man welcher Sensei auf welche Dinge besonders achtet und wo man besonders hilfreiche Tipps bekommen kann. So hatte man mehr oder weniger schnell (kam darauf an wie gut man sich die Namen merken könnte) seine „Pflicht-Senseis“ die man gleich am Anfang des Ji-Geikos ansteuerte, um sich dannach von den anderen weitere Ratschläge zu holen. Insgesamt wurde fast jede Trainingseinheit mit einem Ji-Geiko dieser Art beendet und man kam dadurch oft genug in den Genuss dieser Erfahrung.

Am Morgen des ersten und zweiten Trainingstages gab es außerdem ein kleines Extra-Goodie für alle Frühaufsteher und entschlossenen Kendokas die sich nichts entgehen lassen wollten:
Von 6 bis 7Uhr in der Früh wurde von einem Meister Iaido vorgestellt und mit ihm geübt.
Als erstes gab es eine Präsentation der Iaido-Kata, welche wahrlich beeindruckt gewirkt hat, und dannach ging es gleich weiter mit selber machen und ausprobieren. Weitere Meister sind währendessen durch die Halle gestreift und haben nützlichen Rat gegeben.
Das ganze war sehr interessant und wissenswert, besonders für alle die noch nie etwas von Iaido gesehen haben (so wie ich) und noch dazu ein echter Härtetest, da die Halle am ersten Morgen garnicht und am zweiten nur zum Teil beheizt war. Da man bei den Iaido-Übungen auch nicht so herumhüpft wie beim Ji-Geiko hat man die ganze Kälte des frühen Morgens zu spüren bekommen.

Dannach ging es gleich zum Frühstück und, nach einer kleinen Verdauungspause, gab es den Vormittag-2 1/2 Stunden-Block Kendotraining (obwohl es dann meist doch eine halbe Stunde länger geworden ist) und am Nachmittag nocheinmal 3 Stunden Training.
Beide Einheiten wurden mit Aufwärmen und höchst wissenswertem Kata-Unterricht begonnen, gefolgt von einigen Übungen in der Rüstung und zum Abschluss ein Ji-Keiko mit allen Meistern.

Vor allem die Kata war sehr aufschlussreich, da die Meister ganz klare Anweisungen gaben wie es richtig zu machen sei und uns mit viel Geduld die Dinge wiederholen liesen bis es wirklich gepasst hat. Bei einigen Punkten gab es auch Unterschiede dazu wie wir es bisher gelernt hatten, was daran liegt, dass auch die Kata ständig angepasst bzw. erneuert wird (wie ich später erfahren habe) und sich daher auch die Bewegungen von Zeit zu Zeit leicht verändern.

Nach der Kata wurden die Rüstungen angelegt und unterschiedliche Techniken geübt, wobei man dazusagen muss, dass die Lehrer uns mit viel Geduld und Freunde beiseite standen und das Ganze sehr effektiv gestalteten.
Dannach gab es Kakari-Keiko oder andere intensive Übungen bevor es mit dem Ji-Keiko weiter ging. Beendet haben wir oft mit noch einigen Jojako Suburi, damit man den Körper noch so richtig zu spüren bekommt und man mit einem guten Gefühl in die Rastpause gehen konnte.

Alles in allem kann man jedoch sagen, dass die Intensität des Trainings sehr gut dosiert war und man die zwei Tage gut durchhalten konnte, und dennoch öfter an die Grenzen der Kräfte gebracht wurde.

Am Abend gab es dann ein gemütliches Zusammensitzen in der Hotelbar, wo unzählige Kendogeschichten ausgetauscht und dem Körper wertvolle, flüssige Nährstoffe hinzugefügt wurden ;).
Vor allem unsere japanischen Gäste waren sehr trinkfreudig, lange wach und feierten heiter bis in die Nacht.

Das Ende des Seminars wurde noch mit einem spontanten Highlight erfüllt, da uns die Senseis untereinander ihre Kampfkünste präsentieren. Darunter kämpften dann auch zwei 8te Dans gegeinander, was eine besondere Ehre war.

Für mich persönlich kann ich nur sagen, dass das Seminar eine außergewöhnliche Möglichkeit war die eigenen Kendofähigkeiten zu verbessern und ich garnicht in Worte fassen kann wieviel ich dabei gelernt habe. Ob das nun an der großen Anzahl der Lehrer gelegen hat, oder nur daran, dass es mein erstes Seminar war, weiss ich nicht. Allerdings kann ich sagen, dass ich mich in Zukunft intensiver bemühen werde bei mehr Seminaren Teil zu nehmen, und beeindruckt bin was ein paar Tage intensives und qualitatives Training alles bewirken können.

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