Anfängerkurs-Bericht Teil 6: Kyu-Prüfungen

Dienstag, Schinnaglgasse. Der Schnuppermonat ist vorbei, Mischa hat mir Betrittsformular und Kuli entegegenhalten, ich hab sorgfältig meine Daten eingetragen und eine Unterschrift darunter gesetzt, Daniel hat es mit wieder abgenommen und wir haben mit einem feierlichen Handschlag meine Mitgliedschaft bei Kenshikan besiegelt. Es war ein freudiger Moment…

Dafür büße ich freilich meine Blogger-Anonymität ein, was das Schreiben ein klein wenig schwieriger macht, ich gehöre jetzt dazu (zumindest mal nominell) und kann nicht mehr nur als außenstehender Beobachter schreiben. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Wobei – angesichts des wirklich herzerfrischend netten Klimas dort geb ich meine Anonymität gerne auf…!

(c) Verena VonasekNun denn – diesmal war kein reguläres Training vorgesehen, sondern Kyu-Prüfungen. Für mich in vielerlei Hinsicht interessant, ich wollte ein paar fotografische Techniken ausprobieren, als Nebenprodukt würde ich vielleicht ein paar schöne, aussagekräftige Fotos erhalten. Ich sag´s gleich – es war nicht einfach. Das, was ich vorhatte, klappte nicht (hab aber was daraus gelernt). Bin dann wieder auf erprobte Methoden umgestiegen (ISO raufdrehen, für die, die es interessiert). Doris machte mit ihrer winzigen IXUS spektakuläre Filmaufnahmen, da fragt man sich manchmal, wozu man eigentlich die schwere Spiegelreflex herumschleppt….aber ich schweife ab…

Also Prüfungen – sehr lehrreich zuzusehen. Die Prüflinge verschwinden unter ihren Rüstungen, erhalten Nummern und treten gegeneinander an – und bitte fragt mich nicht, wie die einzelnen Prüfungsteile heißen. Jede Kombination wird jedenfalls von jedem fünf Mal demonstriert (mit Partner). Was, nach dem schweren Atem der Prüflinge zu schließen, eine wirklich anstrengende Sache ist. Keine formalisierten Bewegungen sondern Angriff, Kiai/Schlag, Durchgehen. Nach eigenem Timing. So irgendwie jeder gegen jeden….Nachdem dann alle durch waren und ich durchaus ziemlich unterschiedliche Niveaus feststellen konnte, ging´s dann zum – ich nenn´s mal – freien Kampf (in ein paar Monaten hab ich die Terminologie dann drauf, ich versprech´s!) – und auch hier gab es große Unterschiede (zumindestens glaubte ich sie wahrnehmen zu können…)

Zum Fotografieren war´s – schwierigst, matt-dunkelblaue Kleidung unter Neo-Deckenlicht, dazu ein (strukturell) sehr unruhiger Hintergrund unter Verzicht auf den Blitz (damit ich niemand irritiere) – da hoffte ich dann nur mehr, dass ich wenigstens die Dynamik rüberbringen kann – aber ich mag einfach Herausforderungen 😉

Der letzte Teil der Prüfung war Kata, beim Zusehen konnte ich mich wieder an meine Karate-Katas erinnern – ich finde Kata sehr schön, aber schwierig, es ist eine Sache von Timing und Rhythmus und man muss zueinander finden (und sie halt auch wirklich lernen 😉

Whew – ich hab mit den Prüflingen mitgefiebert – war aufregend!

(c) Verena VonasekViel Zeit blieb uns dann nimmer, wir Anfänger waren diesmal zu dritt (immerhin!), Mischa übernahm, während die Prüfungsformalitäten abgewickelt wurden, das Aufwärmen, sehr flott, sehr schwungvoll, sehr effizient – nach nicht mal zehn Minuten hatte ich wieder warme Zehen, dann übernahm uns Daniel, und weil wir diesmal nicht viel waren, gab´s Beintechnik über die Längsseite des Saales – und ich schwör´s – in dieser halben Stunde hab ich soviel  geschwitzt wie  in den letzten beiden Trainings zusammen – es war fantastisch – hustend, keuchend und glücklich kamen wir an den Stirnseiten an – und einmal geht’s noch …. Und zu guter Letzt – Aufstellung im Kreis und Men-Schlagen – jeder zählt einmal bis zehn – rundherum – und ich hab den Rythmuswechsel nicht geschafft – ich schreie wie in Trance MEEENNN! – Und konnte dann den Zählrythmus nicht übernehmen – vielleicht auch deshalb, weil ich mir nicht ganz sicher war, ob ich bis zehn zählen kann (in der Gruppe mitbrüllen ist was anderes….ich muss einfach beim Laufen laut zählen üben 😉 – jedenfall brachte ich die Gruppe ein wenig aus dem Takt….ahem…..beim nächsten Mal kann ich´s ….

Super war´s, vollkommen erledigt wanken wir von dannen, grade noch fähig, die Dusche aufzudrehen – aber dann geht´s schon wieder und bis wir beim Wirten am Eck sind, geht´s mir einfach nur mehr gut, müde, aber vollkommen entspannt.

Dankeschön und bis zum nächsten Mal.

🙂