Styrian Gasshuku 2013: Luft ist ein schlechter Gegner

Wie auch in den letzten Jahren hat uns wieder eine hochkarätige Delegation aus Osaka besucht. Heuer wollten die Senseis gern Salzburg sehen, deshalb haben Mumonkan und Kendo Salzburg zusammengearbeitet. Freitag Abend ging‘s los: 45 Minuten Mawarigeiko. Auch die Anfänger ohne Rüstung waren im Radl, sodass wir nicht gleich vor Erschöpfung umgefallen sind 😉

Der Samstag hat nach einem reschen Asageiko – Jigeiko gegen 16 Senseis – mit einem Vortrag von Yumura Sensei offiziell begonnen. Ich find das ja immer sehr erhellend, wenn die Senseis erklären warum sie uns so schinden – z.B. voriges Jahr, warum er uns immer mit den Fäusten auf den Hals haut: weil wir ihm die Möglichkeit dazu geben har har.

Körperhaltung, Atmung, Bewusstsein

Also sprach Yumura Sensei: Wir machen Kendo, um uns menschlich zu entwickeln. Konkret trainieren wir beim Kendo dabei die Körperhaltung, die Atmung und das Bewusstsein. Bei der Atmung geht es darum, die Momente, in denen wir angegriffen werden können, nämlich beim Einatmen und Atem Anhalten, zu minimieren. Durch die Atmung stärken wir unsere tiefe Rumpfmuskulatur „core“, Arme und Beine werden lockerer, und wir sind auch emotional nicht so zu erschüttern. So können wir unser Bewusstsein steigern. Es gibt, so Yumura, 16 Stufen, angefangen von Tod, Koma, Tiefschlaf, Traum, Erwachen, aber noch nichts wahrnehmen, wach sein… das Stadium Mushin etwa wäre in der Mitte der Skala. In höheren Bewusstseinsstufen können wir unsichtbare Dinge wahrnehmen, etwa die Intentionen unsers Gegners lesen und seine Bewegungen steuern. Das Fernsteuern ist aber Yumura Sensei selbst nur einmal im Leben gelungen.

Um die Atmung zu kontrollieren gibt es  drei Trainingsmethoden: Kirikaeshi, Kata in einem Atemzug, und strenges Jigeiko, in dem der Lehrer konstant Druck macht und den Schüler am Atmen hindert (Ah so, das steckt also dahinter!)

Im Seminar-Programm hat sich das dann wie folgt gespiegelt: Vormittag Bokuto-Kihon in Rüstung und Jigeiko, Nachmittag Kata, Oikomi (Beinarbeit in einer seeehhhr langen Halle) und wieder Jigeiko. Erst wurden die Teilnehmer aber  in fünf Gruppen aufgeteilt, zwei mit Dan-Trägern, zwei mit Kyu-Trägern, und eine mit Anfängern ohne Bogu. Jede Gruppe hat zwei bis drei Senseis zugeteilt bekommen. Die anderen Senseis sind durchgegangen, haben zugeschaut und Ezzes gegeben.

Abends dann ein verdienter Ausflug ins Bier-Dojo 😉

Erst Beinarbeit, dann Shinai

Nach einem Aufwach-Training – acht Jigeikos gegen drei 8. und fünf 7. Dan – ging es überraschend mit einem zweiten Vortrag von Yumura Sensei weiter, nämlich wie man schlechte Gewohnheiten im Kendo verhindert. Vor allem über die ersten Schritte im Anfänger-Training hat sich Yumura Sensei Gedanken gemacht. Der für uns verblüffende Schluss: gerade das Suburi-Training führt zu den von ihm genannten schlechten Gewohnheiten, die da wären: zu viel rechts, linker Fuß nicht parallel, Fersikomi, Hüfte kommt nicht nach, kein Kikentaiichi. Alles vom Sensei glänzend pantomimisch vorgeführt. Kommt mir bekannt vor.

Nach Yumuras Meinung soll man Anfängern erst ein Shinai in die Hand geben, wenn sie die Beinarbeit beherrschen. Die japanische Art zu gehen und laufen unterscheidet sich von unserer Art, indem sei von der Hüfte gesteuert wird, wobei der Oberkörper ruhig bleibt. Das sei besonders effizient: Japanische Boten sind hundert Kilometer am Tag gelaufen, im Gegensatz zum Marathonläufer, der nach 42 km umkippt.

Angefangen wird mit kleinen schnellen Ashisabaki vorwärts oder rückwärts. Wenn die Schritte zu groß und/oder langsam geübt werden, kommt zu viel Kraft ins Spiel, und der Oberkörper wackelt. Erst wenn das in Fleisch und Blut übergegangen ist, trainiert man schnelle Richtungswechsel. Wenn die beherrscht werden, ohne dass der Oberkörper wackelt, kommen erstmals die Hände ins Spiel. Und zwar wird zuerst das Tenouchi geübt, in dem man mit einer Shinaistrebe – die im Gegensatz zum Shinai einen flachen Querschnitt hat – das linke Handgelenk trainiert. Der Unterarm wird dabei mit der rechten Hand fixiert, sodass sich nur das Gelenk bewegt. Wenn das geht, nimmt man die rechte Hand dazu. Dann werden erste Schläge mit der Strebe auf ein Shinai geübt – klein, Handgelenke verwenden!

Erst auf Shinai, dann in die Luft schlagen

Wenn die Anfänger erstmals ein Shinai in die Hand bekommen, sollen sie damit keines Falls in die Luft schlagen! Denn das führt dazu, dass zu viel rechts gearbeitet wird, das rechte Handgelenke überstreckt wird, während im linken Arm alle Gelenke eigenartig geknickt werden. Darum wird auch mit dem Shinai erst auf ein Shinai geschlagen, bis die korrekte Technik erlernt wurde. Erst dann kann man Suburi machen.

Als Übung von Fumikomi und Kikentaiichi schlägt Yumura vor, rechts einen großen Schritt nach vorn zu machen (Suriashi), wobei der linke Fuß bleibt, wo er ist. Dann wird ein kleiner Fumikomi etwa eine Fußlänge nach vorne gemacht und geschlagen. Die korrekte Endposition: Eine gerade Linie vom Kopf bis zur linken Ferse, das rechte Knie ist über der großen Zehe, und die Verlängerung des Shinais zeigt zur Körpermitte – Tanden.

Dann gingen wir wieder zur Praxis über, mit Grundübung Men. Um die Schultern zu lockern haben wir erst im Stehen ca. acht Mal auf den Men geschlagen und nahtlos einen Men mit Durchgehen angeschlossen – wobei, besonders bei Holzhackern – eine gewisse Hingabe der Motodachi gefordert ist 😉

Dann haben wir verschiedene Ojiwaza geübt, erst im Übungstempo, dann schnell. Fortgesetzt wurde mit Oikomi und Jigeiko. Nachmittag gab’s dann Kata-Vorführungen – aus jeder Gruppe ein Paar, Kurzes Shiai-Training und zur Drüberstreuen wieder Jigeiko.

Nächstes Jahr werden die Senseis vielleicht nach Tirol kommen – da will ich wieder hin! Wer kommt mit?