Was Kendoka von Golfern lernen können – für Flugreisen

Wer im Kendo weiterkommen will, fährt so oft es geht auf Seminar und Wettkämpfe. Oft liegen diese aber in nur per Flugzeug vertretbarer Entfernung. Leider machen die Fluglinien inzwischen Stress beim Gepäck. Hilfe bietet allerdings Golf, ob man es glaubt oder nicht.

 

Zu meinem Leidwesen musste ich zur Kenntnis nehmen, dass die Airlines seit einiger Zeit nur mehr ein Gepäckstück erlauben und je nach Fluglinie horrende Aufpreise zu zahlen sind. Der Grund: die Flughäfen rechnen nun nach Gepäckstücken ab. Die Air Berlin wollte beispielsweise pro Shinai-Tasche 50 Euro. Wir hatten allerdings beim Flug zur Kendo-EM in Italien Glück und durften zwei Shinai-Bags auf mein Gepäck picken – die ich dann unter großer Anteilnahme des deutschen Herren-Teams („Wir ham uns schon gefracht, wem diese Tasche wohl gehört…“) beim Sperrgepäck in Mailand in Empfang nehmen konnte.

Da durch die neuen Bestimmungen ein Seminar oder Wettkampf im Ausland schon prohobotiv teuer wird, war meine Motivation groß, einen Ausweg zu finden. Bei diversen Schwitzeinheiten (Kadertraining) in der Südstadt sind mir die großen Taschen unserer westlichen Kollegen aufgefallen. Mein erster Weg führte mich also nach Mödling in einen Fechtshop. Nach Durchforsten des Internets und einer kleinen Rechenaufgabe (a² + b² = c²) war ich nämlich optimistisch, zumindest ein 38er Shinai als Rumdiagonale ins Modell Jumbo einbauen zu können. Doch leider: ums berühmte … geht sich’s nicht aus.

Google hilft

Nach weiterem herumgoogeln über die Ausdehnungen von Snowboards etc. und die genauen Gepäckbestimmungen (AUA: 155 cm, 23 kg schwer) hatte ich den Geistesblitz: Golftaschen. Und zwar „Travel Cover“, welche die Golfer über die Schlägertaschen ziehen und mit weiteren Austrüstungsteilen beladen. Ich hab mir für die nächste Reise zu Testzwecken eine solche ausgeborgt.

Die Tasche hat zwei Räder, nur der halbe Boden ist verstärkt, damit man sie zwischen den Einsätzen leer zusammenklappen und aufheben kann. Fazit: mein Bogu passt problemlos rein, die Shinais detto. Aufgefüllt habe ich sie noch mit ein bissl Kyudozeugs 🙂

In Schwechat, in meinem Fall im Skylink, kann man damit gleich zum Sperrgepäck gehen und spart sich die Schlange bim Luggage drop. Und, es wurde mir nichts dafür verrechnet. In London muss man zwar erst zum Luggage drop, um sich das Pickerl zu holen, aber auch dort kein Aufpreis. Zweck erfüllt 🙂

Ping Pong? Golf? Kendo!

Ergänzung Daniel: Beatrix hat mir so sehr von ihren positiven Golftaschen-Erfahrungen vorgeschwärmt, dass ich mir nun auch eine zugelegt habe. Es handelt sich um das „Large Travel Cover“ (einfallsreicher Name…) des Herstellers Ping. Nein, Tischtennis ist nicht deren Metier. Ich konnte eine gebrauchte Tasche in neuwertigem Zustand erstehen, die mich 80 Euro gekostet hat. Leider kein Schultergurt, lediglich Rollen. Beim Betrachten der Schachtel (hinten im Bild) kamen Zweifel auf: Da soll etwas drin sein, wo all mein Kendozeug hinein passt?

Aber eine Minute später waren diese Zweifel dahin. Die Tasche ist RIESIG. Material ist Nylon, die Verarbeitung scheint gut zu sein, der Boden ist verstärkt und mit Rollen ausgerüstet. Diese sind in Ordnung, aber weit nicht so stabil wie etwa die von meiner Tauchtasche, in der ich auch oft und gerne meine Kendoausrüstung transportiere.

Einmal eingeräumt zeigt sich eines: Da geht noch mehr! Ich könnte locker zwei Rüstungen und vier Shinaitaschen in diesem „Travel Cover“ unterbringen und hätte wohl immer noch Platz. Da könnten dann aber die Fluglinien vielleicht etwas dagegen haben, von wegen Gewicht. Die Tasche selbst wiegt bereits 3,85 Kilogramm. Bleiben also nur noch 19,15 Kilogramm für den Rest. Zwei Shinais –> wieder ein Kilo weniger, dann noch Rüstung, Hakama, Gi und Gewand. könnte knapp werden.

Also kurz zusammengefasst: Wer gerne für Kendo verreist und nicht überall neue Shinais kaufen will, sollte sich einmal überlegen, Golf eine Chance zu geben – zumindest der Ausrüstung.